Lernpsychologie und Hochschuldidaktik sind sich einig, dass es kaum Sinn macht, Wissen nur kognitiv zu vermitteln (Vortrag, Lektüre, Schaubilder etc.). Was Sie auf diesem Wege "lernen", haben Sie nachweislich auch sehr schnell wieder vergessen. Doch 'wissen, um zu vergessen', kann nicht das Ziel Ihrer Ausbildung sein!
Aus diesem Grunde werden wir in unseren gemeinsamen Veranstaltungen einen - für alle Seiten! - sehr viel anstrengenderen Weg gehen. Wo immer möglich werden Sie sich bestimmte Themen selbstständig erarbeiten und miteinander 'in Erfahrung' bringen müssen! Nur so werden die jeweiligen Inhalte auch bei Ihnen 'ankommen' und, weil nicht gleich wieder vergessen, Ihnen in Ihrem späteren Berufsalltag nützlich sein. Nicht zuletzt erarbeiten Sie sich auf diesem Wege die 'soft-skills' von Teamfähigkeit, Verhandlungsgeschick, Moderationsfähigkeit und Präsentationserfahrung, die ohne Frage zu Ihren zentralen Ausbildungszielen gehören.
Diesem Zweck dienen verschiedene Methoden, von denen im Folgenden einige vorgestellt werden, um Ihnen ihre Regeln zu erläutern. Ihr Hauptanliegen ist es, Sie aktiv am Lernprozess zu beteiligen, Ihre eigenen Einfälle und Ideen einzubinden, das welchselseitige Gespräch zu fördern und gemeinsames Tun in Gang zu bringen. Sehen Sie diese Kurzbeschreibungen aber auch als Anregung, eigene Unterrichtsanteile erfahrungsbezogen zu gestalten und Ihre Mitstudierenden so in Ihren eigenen Lernprozess miteinzubeziehen.
Beim Brainstorming ('Sturm der Gedanken') werden vor der inhaltlichen Auseinandersetzung mit einem Thema frei und spontan möglichst viele Ideen und Assoziationen zusammengetragen und für alle sichtbar festgehalten. Sinn der Übung ist es, zunächst die Kreativität der eigenen Gedanken und die noch vorhandene Offenheit gegenüber einem Thema zu nutzen und für die spätere Arbeit verfügbar zu halten.
Hier nehmen alle Gruppenmitglieder zu einer Äußerung Stellung - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes durch die eigene Positionierung im Seminarraum entlang einer gedachten Meinungsskala, die von voller Zustimmung über alle Zwischenstufen bis zu voller Ablehnung reicht. Wenn alle stehen, werden einige Teilnehmende gebeten, eine Begründung für ihre 'Standortwahl' zu geben. So kommt niemand im Seminar um eine Stellungnahme umhin und eine 'standhafte' Diskussion kann so auch sehr anschaulich zu einiger 'Bewegung' in der Gruppe bzw. einzelner TeilnehmerInnen führen.
Beim Rollenspiel tritt man aus seiner 'normalen' Alltagsrolle heraus und spielt eine 'fremde' Rolle (etwa: Skinhead oder Pflegepatientin). Wie bei jedem Spiel darf dabei die Realitätskontrolle weitgehend aufgegeben und der Phantasie freier Lauf gelassen werden, ohne dabei Sanktionen fürchten zu müssen. So kann es gelingen, sich auch in fremde Situationen oder Rollen einzufühlen, ihre typischen TrägerInnen genauer zu verstehen, aber auch bislang ungeahnte Anteile der eigenen Person an und in sich zu entdecken und 'durchzuspielen'. 'Probehandeln' kann geübt werden. Informationen und Erfahrungen können nicht abstrakt formuliert, sondern müssen durch situationsangemessenes Reden und Verhalten weitergegeben werden. Wichtig ist, dass jede Rollenübernahme freiwillig erfolgt und jedem Gruppenmitglied deutlich ist, dass jede(r) nur eine Rolle spielt.
Nach dem Spiel werden alle wieder aus ihren Rollen entlassen.
Die Mitglieder der Gruppe, die nicht am Spiel teilnehmen, beobachten und protokollieren Schlüsselsituationen, den Wechsel von Stimmungslagen, Koalitionsbildungen, strategische Wendepunkte im Gruppenverhalten etc. Nach dem Spiel lassen sich diese Beobachtungen mit dem Erleben der jeweiligen SpielerInnen vergleichen und (rekonstruktiv deutend) in Beziehung zueinander setzen.
Wie im Rollenspiel übernehmen die Teilnehmenden auch im Planspiel für die Dauer des Spiels unterschiedliche Rollen (etwa die eines Chefarztes, eines Verwaltungsleiters, einer Betriebsrätin, einer Frauenbeauftragten o.Ä.), stehen aber in Bezug auf ein vorgegebenes Problem (z.B.: höhere Lohnforderungen des Pflegepersonals) unter Entscheidungszwang. Ihre Entscheidungen führen zu neuen Entscheidungszwängen für die jeweils anderen Mitspielenden, so dass sich je nach Spielverhalten eine andere Entscheidungsdynamik und damit am Ende ein anderes Prozessergebnis einstellt.
Neben den Lernmöglichkeiten des Rollenspiels vermittelt das Planspiel auch Einsichten in rollenfremde Entscheidungsrationalitäten, strategisches Handeln, Wechselwirkungsvorgänge, Eigendynamiken (nicht intendierte Handlungsfolgen) und die Entstehung sog. 'Sachzwänge'. Darüberhinaus wird eigene Entscheidungsfähigkeit gefordert und geübt.
Die Podiumsdiskussion eignet sich besonders zum Abschluss eines Seminares, wenn aus den Teilnehmenden im besten Sinne des Wortes 'Sachverständige' geworden sind. Etwa 5 TeilnehmerInnen besetzen ein Podium und vertreten dort je eine typische der im Seminar erörterten Positionen (etwa von Gewerkschaften, Kirchen, Berufsverbänden) zu einem strittigen Thema. Nach einer Podiumsrunde werden auch 'Publikumsfragen' zugelassen.
Diese Methode ermöglicht es, erarbeitete Positionen inhaltlich zu rekapitulieren, durchschaute Argumentationsmuster zu benennen und erlernte Gegenstrategien anzuwenden.
Weitere Methoden finden sich gut beschrieben z.B. in dem Buch von Jörg Knoll: Kurs- und Seminarmethoden. Ein Trainingsbuch zur Gestaltung von Kursen, Seminaren, Arbeits- und Gesprächskreisen, Weinheim und Basel, 7., erw. Aufl. 1997, oder im "Methoden-Set. 5 Bücher für Referenten und Seminarleiterinnen" von Reinhold Rabenstein, René Reichel und Michael Thanhoffer, das Sie auch in der Hochschulbibliothek finden.