Coburger Netzwerk gegen Suizid entsteht - Notfalldienste arbeiten zusammen

Dienstag. 12. Februar 2008 (Pressestelle)

11.000 Menschen nehmen sich jährlich in Deutschland das Leben. Damit steht die Todesursache „Selbstmord“ deutlich vor der Zahl der Verkehrstoten, die bei 7.100 liegt. Dass hier Handlungsbedarf besteht, machte kürzlich der Vortrag von Prof. Dr. Dr. Wolfgang Rutz aus Uppsala an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule Coburg deutlich.

Das Thema „Suizid“ stieß sowohl bei den Professoren der Hochschule als auch bei den Studierenden und bei Vertretern der Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste und der Notfallseelsorge auf großes Interesse. Über 80 Zuhörer informierten sich über die Suizid-Ursachen und die Möglichkeiten präventiv tätig zu werden.

„Menschen, die sich das Leben nehmen, tun das unter schwerstem Leidensdruck. Und sie sehen für sich keinerlei Wahlmöglichkeiten mehr, “ so die Erkenntnis von Prof. Rutz. Häufig geht dem Suizid eine depressive Erkrankung voraus. Die Ursachen dafür sind vielfältig und je nach Geschlecht und Alter verschieden. Frauen fühlen sich häufig nicht mehr gebraucht. Männer fürchten den Verlust ihres sozialen Status. Jugendliche reagieren aufgrund von Ausgrenzung und Familienproblemen depressiv. Und bei älteren Menschen ist häufig der Tod nahe stehender Personen und soziale Vereinsamung der Auslöser.

Was können wir tun, um Suizide zu verhindern? Prof. Rutz nannte drei Phasen der Intervention: die Akutsituation, die suizidale Krise und die Prävention. In der Akutsituation geht es darum, mit dem Menschen ins Gespräch zu kommen. Sobald die suizid-gefährdete Person sich darauf einlässt, ist häufig die Gefahr gebannt. Befinden sich Menschen in der Krise und äußern sie Selbstmord-Gedanken, müssen sie ernst genommen werden. „Die reden doch nur, tun es aber nicht.“ Diese Aussage verwies Prof. Rutz ins Reich der Mythen. Selbstmord-Äußerungen sind immer Hilferufe. Die dritte Phase, das präventive Handeln, ist dann besonders erfolgreich, wenn möglichst viele Akteure zusammen wirken und sich vernetzen um lebensfreundliche Bedingungen zu verwirklichen.

Diese Anregung von Prof. Rutz stieß bei den Teilnehmern auf offene Ohren. Vertreter der Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und der Notfallseelsorge sollen im Laufe des Jahres gewonnen werden, um ein „Coburger Netzwerk Suizid“ aufzubauen. Die ersten Arbeiten dazu wird Prof. Dr. Werner Reiners-Kröncke, Vizepräsident der Hochschule Coburg übernehmen. Ziel ist es, für das Thema zu sensibilisieren, „helfende“ Strukturen zu schaffen und Betroffenen frühzeitig Hilfen anzubieten.