Der Charme des Unfertigen

Montag. 03. September 2018 (Madelaine Ruska)
Johannes Wenzel steht in seinem Büro vor einem Holzregal. An der Wand im Hintergrund sind grüne Fließen und ein weißes Waschbecken des Vorbesitzers.
Johannes Wenzel hat sein Büro in einem altem Gerberhaus eingerichtet.

In einer Woche eröffnen die Hochschule Coburg und Zukunft.Coburg.Digital offiziell ihre Räume in der alten Schlachthofvilla. Dass die so schnell genutzt werden konnte, ist auch dem Jung-Architekten Johannes Wenzel zu verdanken.

Irgendwie passt es, dass Johannes Wenzel sein Büro in einem ehemaligen Gerberhaus eingerichtet hat. Ein bisschen versteckt liegt das rote Ziegelsteingebäude in der kleinen Gasse zwischen Löwenstraße und Judengasse. Das Haus wurde 1706 gebaut, der Werkstattanbau, in dem Wenzel sein Atelier hat, muss im Prinzip komplett saniert werden. „Als ich mit dem Fahrrad hier vorbei gefahren bin, ist mir das Haus aufgefallen“, erzählt Wenzel. „Ich habe einfach gefragt, ob ich hier Räume mieten kann.“

Renoviert hat er in Eigenregie. Fertig ist er zwar noch nicht, aber ein Zimmer mit zwei großen Fenstern ist nun schon sein Arbeitsplatz. Die Schreibtische und Holzregale hat Wenzel selber gebaut. Als Sekretär nutzt er einen alten Werkzeugschrank. Ein Waschbecken in der Ecke zeugt noch von der früheren Werkstatt.

Alten Gebäuden neues Leben einzuhauchen, dafür hat Johannes Wenzel ein Händchen. Schon im Studium wecken solche Projekte sein Interesse. Seine Bachelorarbeit an der Hochschule Coburg hat er über die Entwicklung des Areals am Coburger Güterbahnhof geschrieben. Als die Hochschule einen Architekten sucht, der die Planungen für ihr Projekt CREAPOLIS am Schlachthof begleitet, erinnert sich Kanzlerin Maria Knott-Lutze an den ehemaligen Studenten. Er hat mittlerweile seinen Master an der Universität in Stuttgart gemacht und ist gerade fertig mit dem Studium. „Ich wollte zwar mein eigenes Architekturbüro aufbauen, aber nach dem Studium war so eine Stelle natürlich ein tolles Angebot“, sagt Wenzel.

Also führt er eine Machbarkeitsstudie am Schlachthof durch und betreut später die Arbeiten in der Direktorenvilla. Auch hier greift er nur minimal in das Erscheinungsbild des Gebäudes ein. Es hat den Charme des Unfertigen. Für das, was die Hochschule und Zukunft.Coburg.Digital hier vorhaben, ist das aber genau richtig. Hier sollen sich Ideen entwickeln und Menschen zusammenkommen, die noch am Anfang ihrer Projekte stehen. Da passt eine Atmosphäre, die zeigt, dass nicht alles perfekt sein muss.

„Es ist natürlich toll zu sehen, dass die Ideen, die wir als Studenten entwickelt haben, jetzt realisiert werden“, freut sich Wenzel und ist gespannt, ob seine Pläne für die weitere Gestaltung des Areals auch umgesetzt werden. Als nächstes geht es um die ehemalige Kühlhalle. In den kommenden Monaten könnten dort ein Foyer, ein Multifunktionsraum, Büros, ein Makerspace und ein Café mit Biergarten und Freibereich entstehen.

Johannes Wenzel hat sich seinen Traum vom eigenen Büro mittlerweile erfüllt. Gemeinsam mit Studienkollege Simon Huffer aus Stuttgart hat er sich selbstständig gemacht. Die beiden arbeiten gerade an einem Auftrag in Saarbrücken.

Der gebürtige Mitwitzer wird seiner Heimat aber treu bleiben. Deshalb hat er sich auch in Coburg niedergelassen. Seine Arbeit wurde übrigens sogar schon ausgezeichnet. Wenzel gewann 2018 den Studentischen Förderpreis des Deutschen Institut für Stadtbaukunst an der TU Dortmund: Für seine Masterarbeit über die Umnutzung eines leerstehenden Feuerwehrhauses in Kronach.

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