„Ein guter Chef wird nicht gebraucht“

Dienstag. 19. Dezember 2017 (Anke Hempfling)
Bernhard Kempf spricht im Hörsaal vor BWL-Studierenden
Hat früher auf einer Baustelle gearbeitet: Bernhard Kempf. "Ich weiß es zu schätzen, was meine Mitarbeiter jeden Tag leisten", sagt er.
BWL-Studierende im Hörsaal beim Vortrag von Bernhard Kempf
"Wie kann man Mitarbeiter dazubringen, Verantwortung zu übernehmen?" Aus dem Publikum kamen immer wieder Fragen an den Referenten, das Thema kam sehr gut an.

Was ist das Geheimnis eines guten Führungsstils? Bernhard Kempf, Leiter der Bosch-Vertriebsniederlassung in Düsseldorf, teilte seine Erfahrungen mit Studierenden der Hochschule Coburg.

Wer will Menschen führen? Wer will Karriere machen? Diese Fragen stellte Kempf gleich zu Beginn des Vortrags an die Bachelor- und Masterstudierenden der Betriebswirtschaft: „Sie studieren, um sich auf ein Fachgebiet zu spezialisieren. Danach setzen Sie Ihr Wissen in der Welt da draußen ein.“ Um andere führen zu können, müsse man sich zuerst selbst führen können und dazu gehöre vor allem, Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung für deren Folgen zu tragen. „Es sind immer die Menschen, die den Unterschied machen“, das habe er auf seinem bisherigen Berufsweg gelernt. Kempf selbst ist als Niederlassungsleiter für mehr als 800 Mitarbeiter verantwortlich.

Entscheiden bedeutet stets, sich von etwas zu trennen. Das liegt aber nicht in der Natur des Menschen, denn man wolle sich immer mehrere Optionen offenhalten. Dies führe zu einem permanenten Dilemma, in dem sich auch Führungskräfte wiederfinden. Denn Mitarbeiter beurteilen ihren Vorgesetzten nicht nach tollen Ideen, sondern rein nach dem Erfolg ihrer Entscheidungen. Einen guten Chef zeichne aus, dass er nicht gebraucht werde: „Ich löse die Probleme für meine Mitarbeiter nicht, sondern ich ermutige sie, selbst zu entscheiden.“ Es sei wichtig, zu seinen Entscheidungen zu stehen, denn die Verantwortung trage man immer selbst für das was man tut – und was man nicht tut. Auch die Vertrauensbasis zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem sei eine wichtige Grundlage für den Erfolg. Die Führungskraft müsse sich jenes Vertrauen aber erst erarbeiten. „Um Menschen zu führen, muss ich ihnen eine Richtung vorgeben. Ich muss dahingehen, wo noch keiner war und wissen, was ich kann und will“, meint Kempf. Dabei solle man sich von seinem inneren Kompass der eigenen Werte und Überzeugungen leiten lassen.

Übrigens: Die Vorsätze für das Jahr 2018 sollte man sich besser aufschreiben. Denn wer seine Ziele verschriftlicht, habe höhere Erfolgschancen. Zum Schluss gab der Gastredner den Studierenden noch einen Ratschlag mit auf dem Weg: „Führen ist immer persönlich. Deshalb bleiben Sie immer bei sich!“

Der Vortrag fand im Rahmen der Reihe „Personalpraxis im Dialog“ statt. Hierzu holt Professorin Dr. Hedwig Schmid regelmäßig Personalspezialisten an die Hochschule Coburg.

Zur Person

Bernhard Kempf studierte Maschinenbau an der Universität Paderborn. Seit Juli 2012 ist er als Vice President Sales Branch bei der Bosch Sicherheitssysteme GmbH Niederlassung NRW in Düsseldorf tätig. Zuvor durchlief er bereits mehrere Posten bei Bosch Rexroth. Er ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder.

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