Mitgefühl für einen Roboter

Freitag. 07. September 2018 (Madelaine Ruska)
NAO-Roboter, der auf einem Tisch sitzt
Für ihre Studie nutzten die Wissenschaftler*innen einen NAO. Er ist dem menschlichen Aussehen nachempfunden. Bild: Liliana Merlin Frevel

Menschen zeigen soziales Verhalten gegenüber Maschinen. Sie kümmern sich zum Beispiel um einen Roboter, wenn er nach Hilfe fragt.

Ein Roboter arbeitet als Aushilfe in einem Supermarkt. Er bittet die Kund*innen des Geschäfts um Hilfe. Sie sollen ihm die Namen von verschiedenen Produkten nennen, die er zum Üben brauche. Dieses Szenario haben Wissenschaftler*innen der Hochschule Coburg für eine Studie genutzt. Sie wollten untersuchen, welche Faktoren beeinflussen, ob sich Menschen sozial gegenüber Robotern verhalten.

Die Gruppe unter Leitung von Prof. Dr. Kolja Kühnlenz und Dr. Barbara Kühlenz hat dabei einen NAO eingesetzt. Dieser Roboter ist dem Erscheinungsbild des Menschen nachempfunden ist. Er hat Arme, Beine und ein Gesicht. Allerdings kann er keine menschliche Mimik nachahmen.

Hilfsbereitsschaft steigt mit der Sympathie

Mit zwei unterschiedlichen Verhaltensweisen von NAO haben die Forscher*innen ihre Studie durchgeführt. Einmal hat sich der Roboter dem Menschen emotional angepasst, beim anderen Mal hat er sich neutral verhalten. Emotional angepasst bedeutet, dass NAO den Proband*innen vermittelt, er könne ihre Gefühle verstehen. Zum Beispiel fragt er, wie sich der Mensch momentan fühlt, um dann mit entsprechender Wortwahl zu antworten, dass es ihm genauso gehe.

Das Ergebnis: Passt sich der Roboter dem Menschen emotional an, ist dieser auch eher bereit, ihm zu helfen. Außerdem sprachen die Proband*innen dem Roboter dann menschliche Eigenschaften zu und empfanden ihm gegenüber Empathie. Gemessen haben die Wissenschaftler*innen diese signifikante Zunahme der Hilfsbereitschaft anhand der Anzahl der Objekte, die die Proband*innen dem Roboter nannten.

Bildung der Proband*innen spielt eine Rolle

Obwohl er seine Bitte nicht durch menschliche Mimik unterstreichen konnte, kamen die Proband*innen dem Roboter zur Hilfe. Allerdings spielt es eine Rolle, ob sie vorher bereits Kontakt zu Robotern hatten. Wer mit Robotern vorher nichts zu tun hatte, verhielt sich deutlich zurückhaltender. Auch die Bildung der Proband*innen wirkte sich auf ihr Verhalten dem Roboter gegenüber aus.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen die bisherige Arbeit der Coburger Wissenschaftler*innen. Um die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern zu verbessern, spricht Vieles dafür, eine zusätzliche Bindungsphase zwischen Mensch und Maschine einzuplanen.

Prof. Dr. Kolja Kühnlenz hat eine Forschungsprofessur der Hochschule Coburg inne. Er beschäftigt sich überwiegend mit der Mensch-Roboter-Interaktion. Die Ergebnisse der Studie stellte er auf dem IEEE Symposium of Robot and Human Interactive Communication (RO-MAN) in Nanjing, China vor. Das ist die größte Konferenz im Bereich Mensch-Roboter-Interaktion.

Titel: “Effect of Explicit Emotional Adaptation on Prosocial Behavior of Humans towards Robots Depends on Prior Robot Experience” (Kühnlenz, Barbara; Busse, Fabian; Förtsch, Pascal; Wolf, Maximilian; Kühnlenz, Kolja)

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