Tausche Vesteblick gegen Shanghai Skyline

Donnerstag. 01. Juni 2017 (Madelaine Ruska)
Im September packt Sebastian Gah seine Koffer.
Die Chinesin Shuyun Xu macht gerade ihr Praktikum bei Siemens Health Care.

Sebastian Gah will nach China. Neue Erfahrungen sammeln und seine Chancen fürs Berufsleben verbessern. Der Student der Technischen Physik wechselt dafür sogar in die internationale Studienrichtung Engineering Physics.

Gerade einmal zwei Semester hat Sebastian Gah in Coburg studiert, da zieht es ihn schon in die weite Welt. Aber nicht, weil es ihm hier nicht gefällt, sondern weil ihm das Studium die Möglichkeit bietet. Die Studienrichtung Engineering Physics ist international ausgerichtet. Kooperationen mit Partnerhochschulen in Shanghai (China) und Twente (Holland) machen es möglich, dass die Studierenden ein anderes Land entdecken und dort an renommierten Einrichtungen lernen können.

In Shanghai, wo es für Sebastian Gah bald hingeht, ist das die USST – University of Shanghai for Science and Technology. Dort studieren rund 22.000 junge Menschen. Überwiegend in technischen Fächern, aber auch Wirtschafts- und Naturwissenschaften werden dort gelehrt. Die Hochschule verteilt sich auf mehrere Standorte in der Stadt. Der Coburger Student wird am großen Hauptcampus unterkommen.

„Ich habe bei einer Info-Veranstaltung von dem internationalen Programm erfahren und mich dann weiter informiert“, erzählt Sebastian Gah. „Ich denke, dass ich dadurch später im Job bessere Chancen habe.“ „Durch ein Studium im Ausland eröffnen sich den Studierenden zusätzliche Perspektiven“, bestätigt Studiengangsleiter Prof. Dr. Michael Wick. „Sie lernen, in internationalen Teams zu arbeiten und bekommen Einblick in die Forschungsschwerpunkte unserer Partnerhochschulen.“ Die Kooperationen mit anderen Hochschulen würden deshalb ständig ausgebaut, sagt Wick. Erst Anfang des Jahres ist die University of Twente dazugekommen, auch mit der Universität in Winnipeg (Kanada) gibt es seit kurzem eine Kooperation.

Wer Engineering Physics studiert, sollte natürlich eine Begeisterung für Technik mitbringen. Mathematik, Angewandte Informatik und Naturwissenschaften, Konstruktion/CAD, Mess- und Regelungstechnik sowie Elektronik stehen auf dem Stundenplan. Im Ausland ist die Unterrichtssprache Englisch.

Für viele Studierende bedeutet dieses Auslandssemester auch, dass sie zum ersten Mal weiter weg von zu Hause sind. „So richtig vorstellen kann ich mir das noch nicht“, sagt Sebastian Gah. „Auf einem anderen Kontinent war ich bisher noch nicht.“ Unterstützung gibt es deshalb von Studiengangskoordinatorin Katja Zimmer. Sie meldet die Studierenden in den Partnerhochschulen an, hilft beim Visum und der Suche nach einem Wohnheimzimmer, organisiert Unterlagen, reist zum Teil selbst nach Shanghai. Im Moment bereitet sie den Austausch für die chinesischen Studierenden vor.

Denn natürlich ist der Studiengang keine Einbahnstraße. Auch aus Shanghai oder Twente kommen Studierende nach Coburg. So wie Shuyun Xu. Die Chinesin absolviert gerade ihr Praxissemester bei Siemens Health Care in Erlangen. Sie ist dort in verschiedenen Projekten tätig – von der Innovationsanalyse bis zur Entwicklung neuer Technologien für Kernspintomographie (MRT) oder Computertomographie (CT). Vorher hat sie ein Semester an der Hochschule Coburg studiert. „Ich kann hier viel lernen“, sagt die Studentin. „Physik, Konstruktion, Optik, Elektronik und zwei Sprachen. Außerdem erleben wir viele internationale Aktivitäten, die mir die Kultur in Deutschland näher bringen.“

Ganz einfach sei es am Anfang zwar nicht gewesen, ein Praktikum zu finden, aber: „Meine Freunde und die Professoren hier haben mich motiviert und so habe ich es geschafft. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten habe ich das Gefühl, dass mich das stärker gemacht hat.“

Für die Studierenden in anderen Ländern bietet das Studium in Deutschland einen besonderen Reiz: „Deutschland ist berühmt für seine hohen Technologiestandards und seine Expertise im Ingenieurwesen“, erzählt Shuyun Xu. „Im Studium wird mehr Wert auf den Praxisbezug gelegt. Statt Informationen nur passiv aufzusaugen, kann ich hier Experimente machen und muss Präsentationen halten.“

Aktuell läuft die Bewerbungsphase an der Hochschule Coburg. Bis zum 15. Juli können sich Studieninteressierte für Technische Physik noch bewerben. Welche der drei Studienrichtungen – Physikalische Technik, Licht- und Lasertechnologie oder Engineering Physics – es sein soll, können sie bis zum Ende des zweiten Semesters entscheiden.