Wer macht die Regeln?

Freitag. 06. Oktober 2017 (Madelaine Ruska)
KinderUni mit Barbie und Darth Vader
Barbie und Darth Vader - ein ungleiches Paar? Sozialwissenschaftler Matthias Scheibe hinterfragt die Klischees.
KinderUni Vorlesung
Antje Vondran zeigt bei der KinderUni, was alles in unserem Essen steckt.
KinderUni Diplomausgabe
Zum Schluss können alle KinderUni-Besucher ein Diplomzeugnis mit nach Hause nehmen.

Mehr als 200 Jungs und Mädchen haben bei der KinderUni der Hochschule Coburg mitgemacht. Vier Professor*innen zeigten ihnen interessante Details über Licht, Theater, Wirklichkeit und unsere Nahrungsmittel – und stellen so manches Kind vor eine echte Herausforderung.

Der blonde Junge in der letzten Reihe von Hörsaal 5-004 kann es gar nicht fassen. So eine doofe Frage hat er ja noch nie gehört. Warum darf eine Barbiepuppe nicht gegen Darth Vader kämpfen? Das ist doch klar! „Die passen einfach nicht zusammen. Darth Vader würde sie einfach weghauen mit seinem Laserschwert. Und außerdem gibt es Regeln, die sagen, dass das nicht geht.“ „Wo stehen denn diese Regeln?“, fragt Sozialwissenschaftler Matthias Scheibe. „Und wer hat die festgelegt?“ „Das geht eben einfach nicht“, rufen die Kinder. Ein Mädchen versucht zu helfen: „Barbie ist pink und Darth Vader ist düster und schwarz. Deshalb passen die nicht zusammen.“ „Und wer sagt, dass Darth Vader kein Pink mag?“, fragt Scheibe wieder nach.

Mit seiner Vorlesung zum Thema Wirklichkeit hinterfragt Scheibe bewusst Klischees. Denn, so war es in seiner Vortragsbeschreibung angekündigt: „Was wir in unserer Umwelt sehen, riechen, hören, schmecken und ertasten, hängt sehr stark von dem ab, was wir bisher erlebt haben.“

Einen Hörsaal weiter ist die Stimmung wesentlich ruhiger. Theaterwissenschaftler Prof. Dr. Julius Heinicke erzählt gerade Spannendes aus Südafrika. Zum Beispiel, dass es dort mehr als 50 verschiedene Sprachen gibt. Und: Dass die Kinder oft kein Geld haben, um Spielsachen oder Bücher zu kaufen. Weil sie sich für ihre Armut schämen, spielt das Theater in Südafrika eine besondere Rolle. „Das Tolle auf der Bühne ist, dass man jemand ganz anderes sein kann und plötzlich von anderen Menschen bewundert wird“, sagt Heinicke, der selbst schon Theaterprojekte in Südafrika organisiert hat. Das können auch seine Zuhörer nachvollziehen. Moritz zum Beispiel wäre gerne mal Obelix, ein Mädchen aus der zweiten Reihe die Eisprinzessin Elsa.

Zweimal im Jahr macht sich Monika Faaß, die Familienbeauftragte der Hochschule, auf die Suche nach Professorinnen und Professoren, die bei der KinderUni mitmachen. Die müssen ihre Themen kindgerecht aufbereiten. Denn die KinderUni soll spielerisch an die Hochschule und die hier gelehrten Fächer heranführen. Zur KinderUni gehören deshalb auch ein Essen in der Mensa und ein kleines Diplomzeugnis, das die Teilnehmer zum Schluss mitnehmen dürfen. Seit acht Jahren organisiert die Hochschule Coburg die KinderUni gemeinsam mit dem Bildungsbüro der Stadt Coburg. Studierende betreuen die Mädchen und Jungs.

Die nächste KinderUni findet am Samstag, 10. März 2018 statt.