Zwischen Tradition und Moderne

Mittwoch. 31. Oktober 2018 (Anke Hempfling)
Gruppenfoto von Prof. Auwi Stübbe, Leonie Seemann, Astrid Weschenfelder und Dr. Carsten Ritzau
Prof. Auwi Stübbe, Leonie Seemann, Astrid Weschenfelder und Dr. Carsten Ritzau (v.l.) wollen eine Brücke zwischen Deutschland und China schlagen.
Außenansicht der Naturkunde-Museums Coburg mit chinesischen Laternen
Schon im Hof des Naturkunde-Museums Coburg findet man die Vorboten der Ausstellung.

Lernen und Staunen über das Reich der Mitte – das können derzeit die Besucher*innen der Sonderausstellung „Chinas Rot“ im Coburger Naturkundemuseum. Das Präsentations-Konzept stammt von Leonie Seemann. Sie studiert Innenarchitektur an der Hochschule Coburg.

Im Jahr 2013 wagte Astrid Weschenfelder den Schritt in ein neues Leben. Sie zog von Coburg nach Shanghai. Insgesamt fünf Jahre lang lebte und arbeitete die Museumspädagogin in der größten Stadt Chinas. Wieder zurück in Deutschland hatte sie nicht nur einen Koffer voller Erinnerungen, sondern auch jede Menge wertvolle Souvenirs im Gepäck. „Eigentlich wollte ich meiner Familie nur ein paar Andenken mitbringen. Die Vielfalt der Kulturreichtümer Chinas gepaart mit meinen vielen positiven Erfahrungen dort inspirierten mich jedoch, daraus eine Ausstellung zu machen“, erinnert sie sich. Der Leiter des Naturkunde-Museums Coburg, Dr. Carsten Ritzau, musste von dieser Idee nicht lange überzeugt werden: „Viele Deutsche haben ein zwiespältiges Verhältnis zu China. Auf der einen Seite bewundern sie das Land, auf der anderen Seite fühlen sie sich von der Wirtschaftsmacht bedroht. Mit der Ausstellung wollen wir Vorurteile abbauen“, erklärt er. Schließlich verbinde Coburg und China mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Über 100 Coburger Firmen halten Handelsbeziehungen zu China oder haben dort Niederlassungen.

Dass es überhaupt zur Realisierung der Ausstellung kam, ist einem Semesterprojekt von Prof. Mark Philips zu verdanken. Darin sollten 14 Studierende der Innenarchitektur jeweils einen Gestaltungsentwurf für die Ausstellung erarbeiten. Am meisten überzeugen konnte Leonie Seemann. Ihr Konzept führt den Ausstellungsbesucher entlang der chinesischen Mauer von der Urzeit ins 18. Jahrhundert und weiter in die Moderne. Im Fokus steht Geografie, Bevölkerung, Kunst und das Handwerk des Landes. Zu sehen gibt es beispielsweise jahrtausendealte Ritualbronzen, Schriftstücke oder künstlerische Porzellanvasen. Doch Vorsicht: „Ein Besucher, der nicht viel lernen möchte, wird auch nicht viel erfahren. Man muss sehr nah an die Ausstellungsstücke herantreten. Außerdem ist der Rundgang auch interaktiv gestaltet“, berichtet die Studentin. So können die Besucher*innen versuchen, Gewürze am Geruch zu erkennen, verschiedene Stoffarten zu erfühlen oder Kalligraphie – die Kunst des Schönschreibens – ausprobieren. Kinder können per Brettspiel die Provinzen Chinas erkunden. Als Highlights der Ausstellung gelten die lichtuntermalten Silhouetten des CCTV-Towers aus Peking und eines traditionellen Tempels, die von Leonie Seemann selbst entworfen wurden. Der Farbe Rot kommt in der Ausstellung eine ganz besondere Stellung zu – in China symbolisiert sie Glück und wurde deshalb von der Studentin bewusst in Szene gesetzt.

Über ein Jahr lang hat Leonie Seemann an ihrem Entwurf – von der Idee bis zur fertigen Ausstellung – gearbeitet. Bei der handwerklichen Umsetzung wurde sie vom Coburger Designforum Oberfranken unter der Leitung von Prof. Auwi Stübbe unterstützt. „Die Studierenden konnten im Projekt ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen. Das ist auch im Hinblick auf ihre Zukunft von Vorteil, denn so können sie sich zum Beispiel später von anderen Bewerbern um eine Stelle abheben“, bestätigt Stübbe den Lehrmehrwert.

Die dreisprachige Ausstellung – in Deutsch, Englisch und Chinesisch – ist noch bis zum 31. März 2019 täglich von 9 bis 17 Uhr im Naturkundemuseum Coburg zu sehen.

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