Die Rolle der Hochschule Coburg in Kronach

Die Hochschule Coburg trägt als Bildungs- und Forschungseinrichtung wesentlich zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung der gesamten westoberfränkischen Region bei. Sie setzt durch die Vielfalt ihrer Lehr-, Forschungs- und Transferaktivitäten Impulse für die Zukunft und definiert wissenschaftsbasierte Lösungsansätze für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen.
2016 wurde in Kronach der Masterstudiengang ZukunftsDesign etabliert. Der Studiengang lebt von einem innovativen Lehrkonzept, das durch die Arbeit an realen Projekten mit hochschulexternen Praxispartnern die Gestalter der Zukunft ausbildet. Der 2019 akkreditierte Studiengang wurde bereits 2018 mit dem Preis für herausragende Lehre des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.
Seit 2018 bringt sich die Hochschule Coburg mit Ideen zur Realisierung des Lucas Cranach Campus ein. Diese Ideen und Visionen lassen sich jedoch nur im engen Schulterschluss mit der Stadtpolitik, der Wirtschaft und der Gesellschaft realisieren. Mit unseren Wahlprüfsteinen zur Kommunalwahl 2020 möchten wir auf die Belange der Hochschule aufmerksam machen und um Unterstützung werben.

Beteiligung der Hochschule Coburg am Lucas Cranach Campus

Von Sommer 2018 bis Herbst 2019 hat die Hochschule Coburg ein vielfältigen und längerfristiges Entwicklungskonzept für eine Informatik- und Hightech-Welle am Standort Kronach entwickelt und vorgestellt. Es soll aus mehreren neuen Programmen in Lehre und Forschung bestehen, zu denen Masterstudiengänge wie beispielsweise Autonomes Fahren sowie Bachelorstudiengänge gehören.

  • Wie beurteilen Sie die Pläne der Hochschule Coburg für den Lucas Cranach Campus?
  • Wie lassen sich aus Ihrer Sicht die verschiedenen Studien- und Forschungsangebote der be-teiligten Hochschulen am Lucas Cranach Campus organisatorisch und räumlich umsetzen?
  • In welchem Zeitraum soll das Konzept realisiert werden?

Antwort der CSU: Bürgermeister-Kandidatin Angela Hofmann

Zu Punkt 1: Der LCC (Anm. de. Redaktion: Lucas Cranach Campus) soll für Studierende attraktiv sein und daher deutschlandweit einmalig werden. Dazu gehören sowohl Architektur und Ausstattung des Campus als auch Studienangebote und Lehrinhalte. Forschung und Entwicklung sichern der Region Wettbewerbsvorteile und damit auch Wohlstand. Deswegen freue mich sehr über die geplante Informatik- und Hightech-Welle!

Zu Punkt 2: Technische Studiengänge: Die Vorlesungen sollten am LCC in der Kronacher Innenstadt abgehalten werden. Die für Versuche und Testreihen benötigte Labore und Werkstätten können in Räumlichkeiten am LOEWE-Gelände genutzt werden. Die Weiterentwicklung des LOEWE-Geländes hin zu einem Technologie-Park liegt mir sehr am Herzen, da sich so Forschung, Entwicklung und wissenschaftliche Lehre verbinden lassen. Sicherlich werden auch Industrie- und Entwicklungszentren der Region räumliche Kapazitäten für Testumgebungen anbieten.

Weitere Studienangebote: Vorlesungen am LCC, für Versuchsreihen und Praxis ist eine Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren denkbar. Hier würde ich gerne vermitteln!

Zu Punkt 3: Sobald die Finanzierung steht und die entsprechenden Ministerien „grünes Licht“ für die neuen Studiengänge signalisieren, könnten zeitnah provisorische Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Um das Studienangebot attraktiv zu halten, sollte auch die Interimslösung hohen Ansprüchen genügen. Die Planungs- und Bauzeit für den Campus mit seiner besonderen einmaligen Architektur wird vermutlich 5 Jahre in Anspruch nehmen.

Antwort der SPD: Bürgermeister-Kandidatin Sabine Gross

Zu Punkt 1: Ich begrüße und unterstütze die Vorschläge der Hochschule Coburg, neue und innovative Studiengänge, die sowohl sehr gut das Lehrangebot der Hochschule abrunden als auch zur Region Kronach passen, in Kronach einzurichten. Die Studiengänge greifen aktuelle, wichtige Entwicklungen in Gesellschaft, Industrie und Informationswissenschaften auf und bieten maßgeschneiderte Studiengänge an, welche es den Studenten ermöglichen, in diesen wesentlichen Technologiefeldern erfolgreich tätig zu sein.
Ein klarer Vorteil und Grund, diese Studiengänge in Kronach anzusiedeln, ist der Wille der hier ansässigen Unternehmen aus Produktion und Forschung, sich intensiv mit den Studiengängen zu vernetzen und den Studenten einen hohen Praxisbezug zu bieten, beispielsweise durch die Verbindung mit dem Valeo-Forschungszentrum Autonomes Fahren in Kronach-Neuses. Wünschenswert ist langfristig die Einrichtung von Vollstudiengängen.

Zu Punkt 2: Sowohl die Studiengänge als auch die Studentenwohnungen sollten zentrumsnah in Kronach angesiedelt werden, um möglichst kurze Wege sowie die Integration und Teilhabe am städtischen Leben zu ermöglichen. Kronach besitzt verschiedene Gebäudekomplexe, welche mittelfristig die Schaffung attraktiver Räume für die Hochschule ermöglichen. Kurzfristig stehen weitere Immobilien und Räumlichkeiten zur Verfügung, wie zum Beispiel das Loewe-Gelände, das sich im Eigentum der Stadt befinden und einen schnellen Start der Studiengänge ermöglicht. Mit dem Wachstum der Studentenzahlen über die einzelnen Semester können auch die neuen Räumlichkeiten durch das hierfür eigens gegründete Kommunalunternehmen "Lucas-Cranach-Campus" geschaffen werden. Dieses Kommunalunternehmen kann auch in der Lage sein, koordinierend tätig zu werden.

Zu Punkt 3: Mit der Realisierung soll sofort, also in den nächsten Wochen, mit Gründung des Kommunalunternehmens "Lucas-Cranach-Campus" begonnen werden. Die benötigten Räumlichkeiten können parallel zum Aufbau des Studienbetriebs in den nächsten fünf Jahren geschaffen werden. Und die vollständige Etablierung der verschiedenen Studiengänge erstreckt sich naturgemäß über einen längeren Zeitraum.

Hochschul- und Innovationsstandort Kronach

Um junge Menschen für den Standort Kronach zu begeistern, braucht es nicht nur einen attraktiven Campus und zukunftsfähige Studienangebote, sondern auch die passende Infrastruktur in der Stadt. Und auch die Professorinnen und Professoren brauchen ein interessantes Arbeits- und Wohnumfeld. Außerdem muss es gelingen, Menschen aus der Region, aber auch darüber hinaus auf das Besondere des Standorts Kronach aufmerksam zu machen.

  • Wie können das studentische Wohnen und Leben in Kronach gefördert werden?
  • Welche Anstrengungen können unternommen werden, um für den Studien- und Forschungs-standort Kronach und die Region zu werben?

Antwort der CSU: Bürgermeister-Kandidatin Angela Hofmann

Zu Punkt 1: Um das Ziel „studentisches Wohnen“ zu erreichen, ist eine intensive Zusammenarbeit mit Bauträgern anzustreben. Vorrangig können Leerstände und Brachen in der Innenstadt – aber auch in ruhigen Stadtteilen mit Wohngebietscharakter - genutzt werden. Dabei sollten auch temporäre, modulare Hausbauweisen geprüft werden. Zusammen mit Regierung und Ministerien werden Fördermaßnahmen konzipiert. Damit die Bauvorhaben reibungsfrei laufen, werden sie über das städtische Bauamt professionell gemanagt. Hier laufen alle Informationen zusammen, auf Basis derer die Stadt Kronach Entscheidungen trifft und Maßnahmen ergreift.

Das Studentenleben sollte einerseits so bequem und einfach wie möglich sein, andererseits besondere Unterhaltungs- und Sportmöglichkeiten (outdoor-activities, Fitness, Wellness, Gastronomie / Genussregion, nightlife, Szenekneipen,…) bieten.

Anhand eines griffigen Leitbildes können für Wohnen und Leben konkrete Maßnahmen definiert und umgesetzt werden. Ideensammlungen und Konzepterstellung im Rahmen des Studiengangs Zukunftsdesign sind sinnvoll!

Zu Punkt 2: Kronach kann sich aktuell über steigende Übernachtungszahlen freuen. Vor allem Familien, aber auch gut situierte Kulturtouristen finden den Weg nach Kronach. Obere Altstadt und Festung Rosenberg sind bereits gut vermarktet.

Gleiches gilt für große Events wie das „Kronacher Freischießen“, „Crana Historica“, „Die Festung rockt“, die „Rosenbergfestspiele“ und „Kronach leuchtet“, die jährlich 350 Tausend Menschen in die Stadt bringen. Die Events haben überörtlichen Charakter und dienen somit als Werbeplattform.

Mit griffigen Aussagen und geeigneten Medien sollte bei bundesweiten Sport- und Musikevents geworben werden.

Antwort der SPD: Bürgermeister-Kandidatin Sabine Gross

Zu Punkt 1: Zweck des Kommunalunternehmens "Lucas-Cranach-Campus" ist es nicht nur, die Räumlichkeiten für Lehre, Forschung und Verwaltung der Studiengänge in Kronach zu schaffen, sondern auch, Wohnraum für Studenten zu schaffen. Hierfür gibt es bereits weitere Interessenten aus dem Bereich der Banken, Wohnungsbaugesellschaften und privater Investoren.
Daneben besitzt die Stadt mit zahlreichen Gaststätten, Veranstaltungsmöglichkeiten, dem Jugendzentrum oder dem Landesgartenschaugelände viele Freizeitmöglichkeiten, die durch die Studenten in Kronach zusätzlich belebt und ausgebaut werden.

Zu Punkt 2: Eine Werbung für die neuen Studiengänge ist unverzichtbar, um sie schnell bekannt zu machen. Stadt- und Landkreis Kronach sind in Zusammenarbeit mit der Hochschule Coburg sicherlich in der Lage, ein intensives Marketing für die Studiengänge zu betreiben, zumal deren Einrichtung in der Region, aber auch durch Berichterstattung in überregionalen Medien viel Interesse finden wird. Wichtig ist aber, dass sich die Studiengänge in Kronach durch klare Vorteile für die Studenten auszeichnen, um tatsächlich eine große Resonanz zu finden. Dies ist ihre innovative Ausrichtung sowie die intensive Vernetzung mit den Unternehmen in Kronach sichergestellt. Diese wird durch Institutionen wie das Innovationszentrum Kronach oder den bereits vor zwei Jahren gegründeten Campus Innovationskultur, der gezielt Start-ups unterstützt, sichergestellt.

Innovationsdreieck Coburg – Kronach – Lichtenfels

Die Hochschule Coburg sieht sich als Hochschule der Region im Innovationsdreieck Coburg – Kronach – Lichtenfels. Unser Ziel ist es, die Entwicklungspotenziale der Städte des Dreiecks zu nutzen und so die Region zu stärken. Davon versprechen wir uns eine stärkere Wahrnehmung der Region in Bayern und deutschlandweit.

  • Wie stehen Sie zu dieser Vision der Hochschule?
  • Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben sich daraus aus Ihrer Sicht für Coburg, Kronach und Lichtenfels?
  • Wie können die Städte mit dem Öffentlichen Personennahverkehr so vernetzt werden, dass sie den Bedürfnissen der Studierenden und Lehrenden entsprechen?

Antwort der CSU: Bürgermeister-Kandidatin Angela Hofmann

Zu Punkt 1: Gefällt mir gut!

Zu Punkt 2: Wissenschaft – Wirtschaft – Politik – Events
Ideal wäre, wenn sich die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Großraum Coburg-Kronach-Lichtenfels auch in den Zuständigkeitsbereichen der Kammern widerspiegeln würde. Neben dem Innovationsdreieck kann auch ein gemeinsamer Bundes- und Landes-Wahlkreis Coburg-Kronach-Lichtenfels sinnvoll sein. Großveranstaltungen sollten terminlich abgestimmt werden, damit sie nicht zeitgleich stattfinden.

Zu Punkt 3: Das Mobilitätskonzept des Landkreises Kronach schafft schnelle Verbindungen zwischen den Kreisstädten. Denkbar ist neben dem „Campus-Bus“ auch ein „Event-Bus“, der bei Großveranstaltungen in Coburg, Kronach und Lichtenfels zum Einsatz kommt und die drei Kreisstädte gefühlt näher zusammen bringt.

Antwort der SPD: Bürgermeister-Kandidatin Sabine Gross

Zu Punkt 1: Hochschule und Region bilden eine Symbiose, in der beiden Seiten voneinander abhängig sind und voneinander profitieren. Deshalb kann eine intensive Vernetzung der drei Landkreise für die gesamte Region und die Hochschule nur von Vorteil sein. So kommt dem Praxisbezug und der Vernetzung mit den örtlichen Unternehmen für die Hochschule eine große Bedeutung zu, da Unternehmen so frühzeitig Fachkräfte kennenlernen und rekrutieren können, während umgekehrt den Studenten der Einstieg in das Berufsleben erleichtert wird. Zugleich kann jeder Landkreis seine jeweils eigenen Stärken einbringen.

Zu Punkt 2: Die drei Landkreise haben insgesamt klare gemeinsame technologische Schwerpunkte. Dies sind die Fokussierung auf die Automobilindustrie (Brose, Dr. Schneider, WOCO) mit begleitenden Kompetenzen wie Prototypen- (GE-Laser concept) und Werkzeugbau (Krumpholz, Dr. Schneider) sowie Automatisierungstechnik (M.A.I. Kronach) und Maschinenbau (Kapp, Weber, Waldrich, Lasco, Kaeser). Dies wird ergänzt durch Technologieentwicklung im elektronischen Bereich (Valeo, Loewe). Durch die stärkere Vernetzung dieser Unternehmen - auch über die Zusammenarbeit mit der Hochschule - kann die Wirtschaftskraft und -kompetenz der Region insgesamt aufgewertet werden, wovon alle Seiten, also Unternehmen, Bevölkerung, Kommunen und Hochschule, profitieren.

Zu Punkt 3: Die SPD-Kreistagsfraktion hat bereits vor zwei Jahren den Ausbau des ÖPNV in Richtung Coburg durch einen stündlichen Schnellbus gefordert. Motivation war damals die Anbindung an den ICE-Halt in Coburg, was jetzt durch die Mobilität für die Studenten erweitert werden kann. Hierzu wurden bereits Gespräche zwischen den Landkreisen geführt und wir hoffen, dass die Verbindung zeitnah eingeführt wird. Außerdem wird ab Mitte diesen Jahres der Busverkehr im Landkreis Kronach durch das "Neue Mobilitätskonzept", des Landkreises, welches die Busverbindungen ausbaut und durch flexible Rufbusse ergänzt, eine deutliche Verbesserung erfahren.