Prothesenbau als Gemeinschaftsprojekt

Donnerstag. 24. Oktober 2019 (Franziska Koch)
Robert Hirsch mit seiner Handprothese aus dem 3D-Drucker
Robert Hirsch hat diese Handprothese für eine Kommilitonin entwickelt. Aus dem Projekt ist jetzt auch eine Vortragsreihe entstanden.

Eine Vortragsreihe zum Thema Prothesendesign gibt fachübergreifend Einblicke in Geschichte und Zukunftsvisionen und lässt Betroffene zu Wort kommen. Für die Studierenden Robert Hirsch und Robert Falkenstein der Auftakt eines groß angelegten Projekts: Einer Open-Source-Plattform zur Entwicklung kostengünstiger Prothesen.

Unter dem Motto „Von Götz zu G-Code – Aktuelle Entwicklungen und Historie des Prothesendesigns“ beleuchten acht Wissenschaftler der Hochschule Coburg den Bau von Prothesen aus ihrer Perspektive. Geschichtliche Hintergründe, neuartige Testverfahren, die Rolle der Psyche, ethische Fragen – die Themenpalette ist groß. Als externer Gast kommt zudem mit Prof. Dr. med. Jörn van Schoonhoven, Chefarzt für Handchirugie am Rhön-Klinikum Bad Neustadt/Saale, ein ausgewiesener Experte nach Coburg, der gemeinsam mit einer Prothesenträgerin für Fragen zur Verfügung steht.

Den Anfang machten Prof. Dr. Michael Engel und Prof. Dr. Christian Zagel, der sein im Jahr 2016 durch die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ als besonders innovativ ausgezeichnetes Projekt „3DPro – Hochwertige Prothesen für die dritte Welt“ vorstellte. In Kooperation mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Fachhochschule Lübeck arbeitet er seit einigen Jahren an einer Methode, für Menschen in Kriegsgebieten individuell anpassbare Prothesen zu entwickeln, die kostengünstig und vor Ort herstellbar sind und noch dazu weitgehend aus recycelten Materialien bestehen.

Ein Thema für alle

Ideengeber der Vortragsreihe sind Robert Hirsch und Robert Falkenstein, organisatorisch unterstützten sie Mitarbeiter*innen des Coburger Wegs. Für die beiden Studierenden sind die Veranstaltungen ein wichtiger Bestandteil eines übergeordneten Projekts, dass durch die Bachelor-Arbeit von Robert Hirsch im Fach Maschinenbau ins Rollen kam: Er entwickelte für seine Kommilitonin eine Handprothese, die er anschließend mit einem 3D-Drucker herstellte. Eine effektive und kostengünstige Methode, die sich schon bald an der Hochschule herumsprach und auch das Interesse von Robert Falkenstein weckte, Student der Elektro- und Informationstechnik. Das von ihnen gemeinsam entwickelte Konzept, den Prothesenbau an der Hochschule Coburg mit Hilfe von Open Source interdisziplinär voranzutreiben, überzeugte auch die Jury des Innovationsfonds. „Es ist ein Thema, an dem die gesamte Hochschule mitarbeiten kann“, meint Robert Falkenstein. „Prothesenbau verliert nicht an Aktualität und kann in nahezu alle Richtungen erweitert werden, für jeden Studiengang sind Themen möglich.“ Studierende und Lehrende aller Fakultäten, die gemeinsam am Bau von Prothesen arbeiten und ihr Wissen allen Interessierten zugänglich machen, zu diesem Ziel trägt auch die Vortragsreihe bei: Alle Referenten stehen Bachelor- oder Masterarbeiten sowie Projekten zum Thema sehr aufgeschlossen gegenüber.

Die Vortragsreihe geht noch bis zum 20. November. Interessierte sind herzlich willkommen. Weitere Informationen und Termine unter www.studieren-in-coburg.de/prothesendesign.

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