Studieren und forschen in Lichtenfels

Mittwoch. 31. Juli 2019 (Madelaine Ruska)
Frank Herzog, Christiane Fritze, Markus Stark und Andreas Hügerich stehen vor der Kirschbaummühle in Lichtenfels.
Wollen die Kirschbaummühle aus dem Dornröschenschlaf holen und dort ein modernes Forschungs- und Anwendungszentrum einrichten: Unternehmer Frank Herzog, Präsidentin Prof. Dr. Christiane Fritze, Prof. Dr. Markus Stark und Bürgermeister Andreas Hügerich (v.l.).
Ein 3D-Modell der Kirschbaummühle
Architektur-Studierende haben Ideen für die Umgestaltung der Kirschbaummühle entworfen. Die Modelle sind im 3D-Drucker entstanden.

In der alten Kirschbaummühle in Lichtenfels soll ein Forschungs- und Anwendungszentrum im Bereich additive Fertigung entstehen. Die Hochschule Coburg will dort unter anderem einen Master-Studiengang Additive Fertigung und Leichtbau etablieren.

Für den Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich war es „ein historischer Tag“. Gemeinsam mit dem Unternehmer Frank Herzog, Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Christiane Fritze, Prof. Dr. Markus Stark und dem stellvertretenden Landrat Helmut Fischer stellte er gestern die Pläne für das Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien (FADZ) in Lichtenfels vor. Das FADZ baut auf drei Säulen: Forschung für regionale Unternehmen, Beratung und Wissenstransfer sowie Aus- und Weiterbildung. „Wir sehen es als unsere Kernaufgabe, die heimischen Unternehmen aber auch Schulen an die additive Fertigung heranzuführen und sie beim Anwenden dieser Technologie zu unterstützen“, betonte Frank Herzog, der selbst in Coburg studiert hat.

Die Hochschule Coburg wäre in unterschiedlichen Bereichen im FADZ beteiligt. Zum einen mit dem Institut für Prototypen- und Modelltechnik (IPM) der Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik. „Wir führen Machbarkeitsstudien durch, können Forschungsprojekte mit Partnern aus der Wissenschaft anstoßen und Prototypen, Werkzeuge oder Bauteile produzieren“, erklärte Prof. Dr. Markus Stark, Leiter des IPM. Weitere Bereiche, die mit der additiven Fertigung verbunden sind, gehören dazu: Angefangen bei Automatisierungsprozessen bis hin zur Qualitätssicherung.

Zugang zu Nachwuchskräften

Zum anderen strebt die Hochschule Coburg mittelfristig einen Master-Studiengang im Bereich additive Fertigung und Leichtbau an. „Ein Master-Studiengang würde die bereits vorhandene Kompetenz im 3D-Druck in der Region stärken und regionalen Unternehmen Zugang zu potenziellen Nachwuchskräften ermöglichen“, erklärte Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Christiane Fritze. Auch bei der Aus- und Weiterbildung kann sich die Hochschule einbringen. Zum Beispiel, um Facharbeiter für die additive Fertigung zu qualifizieren.

„Die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern aus der Region ist uns dabei sehr wichtig“, betonte die Präsidentin. „Lichtenfels ist ein Kristallisationspunkt, von dem aus wir in ganz Oberfranken wirken können.“

Nach dem Vorbild des TAO-Schülerforschungszentrums und des CREAPOLIS-Makerspace wird das FADZ auch für Schüler*innen und private Nutzer*innen offen sein. Im FADZ Lab können sie eigene Projekte umsetzen.

Bezug für 2023 geplant

Als Standort hat die Stadt Lichtenfels die alte Kirschbaummühle gewählt. Das Gebäude liegt in der Innenstadt, verfügt über ausreichend Parkmöglichkeiten, ist kein Baudenkmal und für schwere Lasten ausgelegt. Mit ihrer mehr als 600-jährigen Geschichte hat die Mühle auch eine historische Bedeutung für die Stadt. 4,9 Millionen Euro kosten Kauf und Instandsetzung des Areals, weitere 3,5 Millionen Euro würde die Erstausstattung der Labore kosten.

Architektur-Studierende der Hochschule Coburg haben im Rahmen des Entwurfsseminars „Bauen im Bestand“ bereits mögliche Raum- und Nutzungskonzepte erarbeitet, welche als Inspiration und Anregung für die Planungs- und Umbaumaßnahmen dienen können. Bezogen werden soll das FADZ schon in drei bis vier Jahren.

Um das Forschungs- und Anwendungszentrum auch in der heimischen Wirtschaft zu verankern, soll jetzt ein Förderverein gegründet werden, der das Ganze trägt.

Was ist additive Fertigung?

Bei der additiven Fertigung – auch 3D-Druck genannt – werden Bauteile in einem Arbeitsgang erzeugt. Das Material wird Schicht für Schicht aufgetragen. Dadurch kann man z.B. die Zahl der Bauteile reduzieren, weil diese nicht mehr einzeln gefertigt und dann verbunden werden müssen. Ursprünglich wurde 3D-Druck vor allem zum Herstellen von Prototypen genutzt. Kunststoff diente dabei häufig als Material. Der Lichtenfelser Unternehmer Frank Herzog hat eine Technologie entwickelt, mit der auch Metallteile gedruckt werden können. Additive Fertigung wird mittlerweile in vielen Bereichen genutzt: Damit können Knochenimplantate hergestellt werden, Bauteile für die Luft- und Raumfahrt, Schmuck oder auch Werkzeuge. In Lichtenfels sind rund 800 Patente im Bereich additive Fertigung angemeldet.

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