27. Januar '26
(Annrerose Hüttl)
Prof. Dr. Gopal Chandra Shit ist zu einem zweiten Forschungsaufenthalt ans Institut für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) de Hochschule Coburg zurückgekehrt. Er lehrt an der Jadavpur University in Kolkata (ehemals Kalkutta), Westbengalen. ISAT-Leiter Prof. Dr. Klaus Stefan Drese und Shit forschen gemeinsam auf dem bedeutenden Gebiet der Mikrofluidik. Im Interview berichtet Shit von seiner Forschung am ISAT, von der Jadavpur University und der Situation indischer Studierender dort sowie von Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit.
Was ist Mikrofluidik und worum geht es in Ihrer Forschung?
Prof. Dr. Chandra Shit: Mikrofluidik verändert die Medizin und Diagnostik grundlegend und ermöglicht Durchbrüche, die von taschengroßen „Lab-on-a-Chip”-Tests bis hin zu unauffälligen, minimal-invasiven Medikamentenverabreichungen und kostengünstigen DNA-Analysen reichen. Die Herausforderung besteht darin, den Wirkstoff perfekt zu mischen. Ich führe theoretische Untersuchungen durch und simuliere numerisch die Mechanismen, die dahinter stehen. Mein Kooperationspartner Prof. Dr. Klaus Drese führt experimentelle Arbeiten durch, und seine Ideen und sein Fachwissen treiben die Verifizierung meiner theoretischen Modellierung voran. Wir haben bereits mehrere wissenschaftliche Artikel gemeinsam veröffentlicht, ein neuer wird in Kürze erscheinen.
Wie verlief Ihre berufliche Laufbahn an der Jadavpur University?
Ich bin seit 2008 an der Jadavpur University tätig und habe heute eine Seniorprofessur inne. Ich unterrichte Studierende sowohl im Grund- als auch im Aufbaustudium und betreue mehrere Forschungsprojekte. Im Laufe der Jahre habe ich mehr als 120 wissenschaftliche Artikel in führenden internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht, darunter im Journal of Fluid Mechanics und Physics of Fluids.
Wie lange bleiben Sie in Coburg und wo wohnen Sie während Ihres Aufenthalts?
Ich werde bis Ende Januar in Coburg bleiben, um an unserem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Während meines Aufenthalts wohne ich mitten im Herzen der Stadt, in der Nähe der Ehrenburg – ein Standort, von dem aus alles wunderbar erreichbar ist. Ich bin Veronika Wagner und Janina May aus dem International Office sehr dankbar, dass sie mir eine so angenehme Unterkunft vermittelt haben.
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem ISAT der Hochschule Coburg?
Ich habe Einrichtungen gesucht, die sich mit mikrofluidischen Strömungen beschäftigen, bin aufs ISAT gestoßen und so kam es zur Zusammenarbeit. Mein erster Besuch in Coburg war 2024, unterstützt durch Fördermittel sowohl der indischen Regierung als auch des International Office der Hochschule Coburg. Diese gemeinsame Unterstützung ermöglichte es uns, unseren Forschungsaustausch zu beginnen und unsere Partnerschaft zu stärken.
Wie ist es an der Jadavpur University?
Sie ist eine der führenden öffentlichen staatlichen Universitäten Indiens, ist auf Platz 1 der staatlichen Universitäten des Landes gerankt und belegt Platz 676 im QS World University Ranking. Mehr als 10.000 Studierende sind in den 16 ingenieurwissenschaftlichen und 7 naturwissenschaftlichen Fachbereichen eingeschrieben. Die Universität bietet eine breite Palette an technischen Bachelor-Studiengängen, darunter Informatik und Ingenieurwesen, Elektronik und Kommunikationstechnik, Informationstechnologie, Elektrotechnik, Messtechnik, Radio-Physik und Elektronik, Maschinenbau und viele andere. Sowohl auf dem Campus als auch außerhalb stehen internationalen Studierenden Wohnheime und Gästehäuser zur Verfügung.
Wie schaffen Studierende in Indien den Sprung von der Schule zur Universität?
Nach Abschluss der 12. Klasse beginnt für Studierenden in Indien das Universitätsleben. Viele beginnen ihr Studium mit zwei Semestern in Indien, bevor sie ihre akademische Laufbahn an einer deutschen Universität fortsetzen. Dann sind Masterstudiengänge oft beliebter als Bachelorstudiengänge. Wir arbeiten mit mehreren Schulen zusammen, und obwohl viele Studierende begeistert davon sind, in Deutschland zu studieren, sind viele von ihnen auf Stipendien angewiesen, um sich diesen Traum zu erfüllen.
Der Fokus liegt also auf den finanziellen Ressourcen der Studierenden?
Genau. Als staatliche Universität sind unsere Studiengebühren sehr erschwinglich, in der Regel insgesamt umgerechnet 300 bis 400 Euro. Wenn unsere Studierenden ihr Studium in Deutschland fortsetzen möchten, ist es für sie daher absolut entscheidend, sich finanzielle Unterstützung zu sichern.
Ist praktisches Wissen wichtig für sie?
Auf jeden Fall. Vor allem unsere MINT-Studierenden sind begeistert von der Möglichkeit, ein Praktikum in Deutschland zu absolvieren und so akademisches Wachstum mit praktischer internationaler Erfahrung zu verbinden.
Wie sieht die Situation der MINT-Studierenden heute in Indien aus?
In der Regel beginnen etwa 60 Studierende im Ingenieurstudium. In einigen Fachbereichen ist die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger im ersten Semester sogar noch höher – manchmal bis zu 120 Studierende –, was bedeutet, dass die Kurse in mehrere Gruppen aufgeteilt werden, um einen effektiven Unterricht zu gewährleisten. Eine wichtige Voraussetzung für die Zulassung und ebenso wichtig für diejenigen, die an einem Austauschprogramm in Deutschland teilnehmen möchten, sind gute Englischkenntnisse, da alle MINT-Studiengänge vollständig in englischer Sprache unterrichtet werden.
Welche Möglichkeiten gibt es für eine zukünftige Zusammenarbeit?
Wir könnten studentische Austauschprogramme ins Leben rufen und sogar Doppelabschlüsse in Naturwissenschaften, Technik und Ingenieurwesen entwickeln.







