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4. Februar '26

Deutschland diskutiert über Klimaziele, Wohnraummangel und Bauwende – und in Wüstenahorn wird diese Debatte plötzlich ganz konkret. Im „Haus am See“ präsentieren Studierende der Hochschule Coburg Entwürfe für den Umbau einer typischen Nachkriegssiedlung. Die Ideen sind mutig, durchdacht und überraschend nah an der Realität. Doch was davon ist Vision – und was könnte tatsächlich gebaut werden?

Die Ausstellung „Raum für mehr: Der Scheuerfelder Hang“ ist noch bis Dienstag, 31. März, im „Haus am See“ in Wüstenahorn zu sehen. „Die hier präsentierten Arbeiten wollen dazu einladen, einen offenen Dialog über die Zukunft der Siedlung anzustoßen und Transformation als gemeinsamen Prozess zu begreifen, in den von Beginn an unterschiedliche Perspektiven einbezogen werden“, erklärte Prof. Anja Ohliger von der Fakultät Design + Bauen der Hochschule Coburg bei der Ausstellungseröffnung am Dienstagabend.

Acht Wochen lang sind 13 Arbeiten von Architekturstudierenden des dritten Semesters der Hochschule Coburg zu sehen. Sie befassen sich mit dem Transformationspotenzial der Wohnsiedlung Scheuerfelder Hang, einer typischen Zeilenbausiedlung der Nachkriegszeit. Im Rahmen von Studienprojekten entwickelten die Studierenden vielfältige Strategien für den Um- und Weiterbau des baulichen Bestands, mit dem Ziel, ein zeitgemäßes und lebendiges Quartier zu schaffen. Die Wohnbau Stadt Coburg (WSCO) ist als Bauherrin Organisatorin der Ausstellung.

Langfristige Perspektive für ein heimisches Terrain

„Das Gebiet „Scheuerfelder Hang“ zwischen Karl-Türk-Straße und Scheuerfelder Straße ist für uns heimisches Terrain“, sagte Ullrich Pfuhlmann, Technischer Leiter der Wohnbau Stadt Coburg (WSCO), die neben ihrer Tätigkeit als Vermieterin auch als Sanierungsträger der Stadt Coburg tätig ist. Die WSCO bewirtschaftet alleine in diesem Gebiet rund 200 Wohnungen. Für die in den 50er und 60er Jahren erbauten zahlreichen Mehrfamilienhäuser ist das zeitnahe Ziel, einen detaillierten städtebaulichen Rahmenplan zu erarbeiten. Fokus wird hierbei ein zeitgemäßes energetisches Konzept sein sowie eine vertiefende objekt- und gebäudebezogene Untersuchung. „Wir möchten eine wirtschaftliche, nachhaltige, funktionale und gestalterisch überzeugende Entwicklungsstrategie entwickeln“, so Ullrich Pfuhlmann, der auch in der Geschäftsleitung der WSCO tätig ist. Wann wird die Umgestaltung des großräumigen Gebiets in Wüstenahorn beginnen können? „Alleine die Planung wird zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen, wir stehen jetzt erst ganz am Anfang dieser Gedanken“.

Im Rahmen der Quartiersentwicklung „Soziale Stadt“ von 2009 hat das Gebiet bereits viel positive Veränderung erfahren, wie zum Beispiel der Neubau des Bürgerhauses „Haus am See“, die Arztpraxis Dr. Ritter in der Karl-Türk-Straße und die Neubauten in der Fröbelstraße.

Impulse statt fertiger Lösungen

Die ausgestellten Studierendenarbeiten sind in erster Linie als Erstimpuls und Beitrag zur übergeordneten Frage nach dem baulichen Umgang mit typischen Nachkriegssiedlungen der 1950er- und 1960er-Jahre zu verstehen. Es handelt sich ausdrücklich nicht um abschließende Lösungen, sondern um ein Spektrum unterschiedlicher Ansätze, die Denkräume öffnen und Diskussionen anregen sollen.

Ausgangslage: Siedlungen der Nachkriegszeit

In nahezu jeder Stadt Deutschlands finden sich typische Wohnsiedlungen, die in den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden sind. Diese Wohnbauten der Nachkriegszeit zeichnen sich durch eine kostengünstige und funktionale Bauweise aus, die es ermöglichte, innerhalb kurzer Zeit große Mengen an bezahlbarem Wohnraum zu schaffen. Charakteristisch für viele dieser Siedlungen sind längliche, meist zwei- bis dreigeschossige Zeilenbauten, zwischen denen großzügige, durchlässige und grüne Freiräume liegen, die heute häufig von wertvollem, gewachsenem Baumbestand geprägt sind.

Herausforderungen und Risiken

Inzwischen stehen viele dieser Siedlungen vor erheblichen Herausforderungen: eine gealterte Bausubstanz, energetische Ineffizienz, unzeitgemäße Wohnungsgrundrisse, eine geringe bauliche Dichte, zunehmend überalterte Bewohnerschaft und zum Teil untergenutzte Wohnflächen. Nicht selten führen diese Faktoren dazu, dass ganze Siedlungen abgerissen werden. Damit geht aber nicht nur ein erheblicher Verlust grauer Energie und noch bezahlbaren Wohnraums einher, sondern auch das Zuhause vieler Menschen wird unwiederbringlich zerstört.

Ziel und Bauwende

Um die Klimaziele bis 2045 zu erreichen, ist eine Bauwende hin zu mehr Bauen im und mit dem Bestand notwendig. Dazu braucht es Strategien, wie bauliche Defizite des Bestandes behoben werden und vorhandene Potenziale gezielt gestärkt werden können. Ebenso wichtig ist die Stärkung des sozialen Gefüges in diesen Nachkriegssiedlungen – etwa durch die Ergänzung des Wohnungsangebots um inklusive und barrierefreie Wohnungen, generationenübergreifende Wohnformen, gemeinschaftlich genutzte Räume sowie die Aufwertung der Außenanlagen – typische Themen, mit denen sich die Architekturstudierenden an der Hochschule Coburg beschäftigen.

„Die Transformation hin zu einem zukunftsfähigen, inklusiven und lebenswerten Wohnumfeld erfordert eine sorgfältige und behutsame Moderation“, erklärt Prof. Anja Ohliger. Die ausgestellten Arbeiten bieten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild zukünftiger Bauweisen zu machen, sich dabei inspirieren zu lassen und miteinander in den Austausch zu kommen.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Bürgerhauses „Haus am See“, Karl-Türk-Straße 39, 96450 Coburg, zu besichtigen (Mo – Fr vormittags 9 bis 12 Uhr, Mo, Di, Mi und Fr nachmittags 13.30 bis 16 Uhr)

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