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13. Februar '26

(Pressestelle)

Was wäre, wenn Tiere im Zoo perfekte Simulationen wären? Wenn Gerichtsentscheidungen von Künstlicher Intelligenz getroffen würden? Oder wenn Augmented-Reality-Kontaktlinsen den Alltag in ein Spiel verwandeln? Mit solchen Fragen setzten sich Studierende des Studiengangs Integriertes Produktdesign auseinander – und entwarfen spekulative, sehr konkrete und spannende Zukunftsbilder.

Länger als zwei Minuten Zähne geputzt und die Nachbarin freundlich gegrüßt – extra Punkte, next Level. Technologie hilft, uns selbst zu analysieren und besser zu werden. Was wäre, wenn wir Augmented-Reality-Kontaktlinsen tragen, die einen digitalen Filter über unser Leben legen und uns wie in einem Game für positive Handlungen belohnen? Und was wäre, wenn zum Beispiel bei einem Gerichtsprozess nicht von Menschen entschieden werden muss, wo Wahrheit und Gerechtigkeit zu finden sind – sondern von KI? Was wäre?
An der Fakultät Design + Bauen der Hochschule Coburg haben sich Studierende des Studiengangs Integriertes Produktdesign mit aktuellen technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandergesetzt und sie in Zukunftsszenarien übertragen. Im Modul „Speculative Design“ bei Dozentin Annika Tessmer haben sie fünf spekulative Zukünfte gestaltet – nicht als Prognosen, sondern als bewusst zugespitzte Szenarien. Die Projekte wurden als digitale Formate wie Video oder Podcast umgesetzt.

Leben als Level

„LifeLens“ von Bruno Buss erzählt, wie durch AR-Kontaktlinsen ein „Ich“ konstruiert wird, das nur noch aus optimierten Daten und Filtern besteht – und was jenseits von optimierten Daten liegt: Menschlichkeit. Freiheit.

Lässt sich Gerechtigkeit berechnen?

Franziska Meister beschäftigt sich in ihrem Podcast-Projekt „Tatsächlich TatSache“ mit einer möglichen Automatisierung der Rechtsprechung. Was geschieht mit dem Verständnis von Gerechtigkeit, wenn Urteile algorithmisch gefällt werden? Wer trägt Verantwortung, wenn Entscheidungen von Maschinen getroffen werden?

Der Zoo als perfekte Illusion

Jagoda Pietrala entwirft in „Zoomania“ eine Zukunft, in der Zoos ohne echte Tiere auskommen. Bio-hybride, technisch simulierte Organismen imitieren Wildtiere täuschend echt – körperlich wie verhaltensbezogen. Die künstlichen Tiere kombinieren Soft-Robotics-Skelette mit bioelektronischer Haut, die sich selbst regenerieren kann. Dahinter steht die Frage, ob durch perfekte Illusion tatsächlich Schutz oder nur moralische Beruhigung erreicht wird. Die Arbeit fordert zur Reflexion über Grenzen von Technologie und Empathie auf.

Unberechenbar menschlich

Eine Welt ohne Fehler beschreibt Madlen Ott in „Das Rauschen“. Trauer, Wut oder Zweifel gelten als Störungen, Perfektion wird zur obersten Norm. Menschen funktionieren ununterbrochen effizient – und verlieren dabei das Unberechenbare, das sie ausmacht. Die Erzählung illustriert, wie Perfektionismus die Freiheit einschränkt und die Individualität nivelliert, indem alle Unvorhersehbarkeiten des Lebens eliminiert werden.

Heilung per Code

Michael Tribus richtet den Blick ins Innere des Körpers. In „Das Leben mit Nanorobotern“ übernehmen winzige Maschinen die präzise Steuerung von Medikamenten und kontrollieren chronische Krankheiten in Echtzeit. Heilung wird berechenbar – doch mit der technologischen Abhängigkeit wachsen auch Fragen nach Kontrolle, Datensicherheit und Zugangsgerechtigkeit. Wer profitiert von solchen Innovationen – und wer bleibt außen vor?

Gestaltung eröffnet Raum für Debatten

Mit Speculative Design als Methode werden Megatrends in anschauliche Zukunftsszenarien übersetzt. „Designerinnen und Designer entwerfen nicht nur Produkte, sondern auch Denkmodelle und Prozesse – durch ihr gestalterisches Repertoire und ihre Expertise“, erklärt Dozentin Annika Tessmer. Ziel sei es, komplexe Entwicklungen greifbar zu machen und zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung einzuladen. Die Entwürfe wurden unter dem Titel „WHAT IF…? – Einladung in fünf spekulative Zukünfte“ in den Räumen von Rückert 3 öffentlich präsentiert. Veranstaltet wurde der Abend von Making Culture Neben Hochschulangehörigen nahmen auch externe Gäste teil; im Anschluss an die Präsentationen entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über Chancen, Risiken und Verantwortung von Gestaltung. Die Arbeiten der Studierenden sind hier zu sehen.

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