16. Januar '26
(Cindy Dötschel-Langbein)
Mit der Reihe „Gesundheit! Wissen für alle“ macht die Hochschule Coburg Expertenwissen für jedermann zugänglich. Mit dem Abend zum Thema „Menschlich arbeiten – besser heilen“ stand erstmals der Arbeitsplatz Krankenhaus im Fokus eines Abends: New Work trifft Healing Architecture.
Aufsteller, Modelle und Beschreibungstexte ziehen sich über die gesamte Etage – Modelle optimierter Krankenhäuser, wohin man blickt. Und mittendrin: Ein Rednerpult und Stuhlreihen, die bis auf den letzten Platz besetzt sind. Zum ersten Mal fand ein Abend der Reihe „Gesundheit! Wissen für alle“ umgeben von zahlreichen Ausstellungsstücken statt. In der Ausstellung „Das Kranke(n)haus“ ging es darum, wie Architektur heilen hilft: Wie müssen Krankenhausgebäude gestaltet sein, damit sie zur Genesung von Patientinnen und Patienten beitragen? An diesem Abend standen dann aber nicht die Patientinnen und Patienten im Fokus, sondern das (Pflege-)Personal.
Das Wohlbefinden im Fokus
Den ersten von zwei Vorträgen hielt Prof. Gemma Koppen, Architektin und Professorin für Entwerfen und Gesundheit an der Fakultät Design + Bauen der Hochschule Coburg. Sie sprach über das HEMI-Architekturkonzept und betonte, wie wichtig es ist, bei der Planung neuer Krankenhäuser die Architektur mitzudenken und dabei sowohl das Patienten- als auch Personalwohl zu berücksichtigen: „Das HEMI-Architekturkonzept bietet eine neue, evidenzbasierte Perspektive auf die Gestaltung von Arbeitsbedingungen im Krankenhaus“. Fehlzeiten, eine hohe Arbeitsbelastung und Burnout-Rate sowie der Fachkräftemangel seien nicht erst seit der Pandemie ein Thema. „Das Wohlbefinden des Personals geht mit der Patientensicherheit einher“, sagte die Wissenschaftlerin, und verweist auf den psycho-emotionalen Stress und die kognitiven Anforderungen des Pflegepersonals. Neu gestaltete oder gebaute Krankenhäuser müssten diese Aspekte durch innovative Lösungen berücksichtigen und eine menschenorientierte räumliche Gestaltung bieten – sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für das medizinische Personal.
Im Anschluss sprach David-Ruben Thies, CEO der Waldkliniken Eisenberg GmbH, über das New-Work-Konzept in den Waldkliniken im Norden Thüringens. Einen Fachkräftemangel gebe es dort nicht. „Wie oft muss eine Fachkraft den Urlaub unterbrechen oder die Schicht tauschen, weil jemand krank ist? Instabile Dienstpläne – das macht viel kränker als jeglicher Raum“, betonte Thies. Beim New-Work-Konzept gehe es auch darum, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen und Störfaktoren auszuschalten. Bei den Planungen zum Bau der Waldkliniken Eisenberg, einem modernen Rundbau aus Holz, stand die Frage, wie hier zukünftig gearbeitet und geheilt werden soll, im Fokus. „Im Grunde war jeder Mitarbeiter aufgefordert, mitzuarbeiten. Das Schöne dabei war, dass alles auf den Kopf gestellt wurde. Wenn man Partizipation macht, dann wirklich bitte einmal richtig – es geht darum, wirklich, wirklich die Mitarbeitenden ernst zu nehmen.“
Deutlich wurde an diesem Abend einmal mehr, welchen wichtigen Beitrag die Wissenschaft zu leisten vermag. So hilft Architektur nicht nur heilen – mit Blick auf die Patientinnen und Patienten. Architektur hilft auch heilen helfen, wenn sie die Bedürfnisse des Personals in den Blick nimmt. Passende Beispiele dafür gab es an diesem Abend genügend. Man musste nur aufmerksam lauschen – oder seinen Blick durch die Ausstellung schweifen lassen.
Wissen für alle
Einer der Forschungsschwerpunkte der Hochschule Coburg ist One Health. Mit der Themenreihe Gesundheit! Wissen für alle wird das Wissen von Expertinnen und Experten jedermann zugänglich gemacht und der Austausch zwischen Forschenden und der Öffentlichkeit ermöglicht.
Realisiert werden die Themenabende durch das Projekt CREAPOLIS + design, gefördert durch die Bund-Länder-Initiative Innovative Hochschule und unterstützt durch die TechnologieAllianzOberfranken (TAO). Der nächste Abend aus der Reihe findet am 26. März 2026 statt, es geht um das „Unsichtbar, aber lebensbestimmend – Endometriose & Adenomyose im Fokus“.








