Der Kfz-Handel und die Autowende

Mittwoch. 18. September 2019 (Dr. Margareta Bögelein)
Auto in der Werkstatt
Die Arbeit in den Kfz-Werkstätten wird sich in Zukunft stark ändern. Quelle: Pix-abay
Prof. Dr. Georg Roth
Prof. Dr. Georg Roth lehrt und forscht in der Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik.

Wie sieht die Zukunft des Autos aus? Hat der Verbrennungsmotor noch eine Chance oder fahren wir künftig alle elektrisch? Vielleicht aber auch mit Wasserstoff? Bei den Antworten auf diese Fragen hat man bisher in erster Linie die Automobilhersteller im Blick. Doch: Welche Folgen haben die technologischen und ökonomischen Entwicklungen für den Kfz-Handel und die Werkstätten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. Georg Roth von der Hochschule Coburg.

„Die Geschäftsmodelle des Autohandels und des Kfz-Service werden sich ändern“, davon ist Prof. Dr. Georg Roth überzeugt. Der Betriebswirt lehrt und forscht an der Hochschule Coburg in der Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik und kommt aus einem mittelständischen Kfz-Betrieb. In einem Forschungssemester beschäftigte er sich jetzt intensiv mit den Folgen des Transformationsprozesses in der Automobilbranche. Und er nahm dabei insbesondere den mittelständisch strukturierten, handwerklich geprägten Kfz-Handel bzw. den Kfz-Service in den Blick.

Georg Roth prognostiziert: „Durch die neuen Assistenzsysteme in den Autos wird es in Zukunft weniger Auffahrunfälle und damit verbunden weniger Arbeit in den Werkstätten geben.“ Außerdem stellt er fest: „Die Kunden wollen beim Autokauf immer mehr ‚Rundum-Sorglos-Pakete‘, die neben der Garantieleistungen auch die Versicherung, die Wartung und den Verschleiß des Fahrzeugs in einem Festpreis umfassen.“ Damit gewinnen die Autohersteller aber auch die Versicherer mehr Einfluss auf die Preisgestaltung der Kfz-Werkstätten, wenn es um Reparatur und Service geht.

Eine weitere Herausforderung für die Werkstätten sieht der Kfz-Experte Roth im technologischen Wandel. Künftig brauchen sie zusätzliches Know-how für den Service und die Reparatur von Elektro- und Wasserstoffautos. D.h., sie müssen ihre Mitarbeiter schulen und fit machen für die neue Technik.

Professor Roth ist zwar davon überzeugt, dass diese Technologieoffenheit für die Branche und den Erhalt der Arbeitsplätze in der Industrie und die regional verankerten handwerklichen Kfz-Betriebe wichtig ist. Gleichzeitig betont er: „Der Kfz-Handel und die Werkstätten werden derzeit bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle wettbewerbsrechtlich behindert.“ Grund dafür ist die von der EU vorgegebene Kfz-Gruppenfreistellungsverordnung (Kfz-GVO). „Diese Verordnung regelt die Beziehungen zwischen den Herstellern und den Händlern und sie ist stark auf die Belange der großen Automobilkonzerne ausgerichtet. Sie schränkt die Servicebetriebe ein und hindert sie daran, ihr Unternehmen weiterzuentwickeln“, beklagt Professor Roth. Verantwortlich für die Kfz-GVO ist die EU-Wettbewerbsbehörde. Da die aktuelle Verordnung im Jahr 2023 ausläuft, hofft Roth, dass in einer Neuauflage die Interessen der Kfz-Servicebetriebe stärker Beachtung finden. „Nur so können auch in Zukunft die Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben und die Kunden eine ortsnahe Versorgung bekommen“, lautet sein Fazit.

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