„Ich wollte einfach nur Zeichnen!“

Montag. 22. Juli 2019 (Madelaine Ruska)
Helmut Bielenski beim Abschiedsvortrag im Hörsaal
Prof. Helmut Bielenski bei seiner Abschiedsvorlesung.
Porträtskizzen an einer Betonwand
Mehr als 70 Porträts haben Wolfram Richter und Helmut Bielenski für die Wall of Faces gezeichnet.
Helmut Bielenski und Maria Knott-Lutze
Kanzlerin Maria Knott-Lutze bedankte sich bei Helmut Bielenski.
Hochschulgebäude mit Schriftzug Fachhochschule. Das A steht abmontiert am Boden. Text: "Ich waß ned - ohne dem A klingts ach ned besser---- schraub mers widder nauf!
Mit dieser Weihnachtskarte hat Helmut Bielenski die geplante Abschaffung des Studiengangs Architektur (A) aufs Korn genommen.

20 Jahre hat Prof. Helmut Bielenski an der Hochschule Coburg im Studiengang Architektur gelehrt. Zum Ende des Sommersemesters geht er in den Ruhestand. Mit seiner Leidenschaft fürs Zeichnen hinterlässt er im wörtlichen Sinne bleibenden Eindruck an der Hochschule Coburg.

Im Neubau am Campus Design hat sich Prof. Helmut Bielenski verewigt. Seit Jahren zeichnet er dort die Porträts namhafter Architekt*innen an die Wand. Wer bei der Dienstagsreihe einen Vortrag hält, wird an der „Wall of Faces“ karikiert. 77 Porträts haben Helmut Bielenski und sein Kollege Wolfram Richter gezeichnet. Jetzt müssen sie einen würdigen Nachfolger finden. Denn für Helmut Bielenski ist es das letzte Semester an der Hochschule Coburg. Nach 20 Jahren als Professor für Darstellen und Gestalten geht er in den Ruhestand.

Bei der Abschiedsvorlesung, zu der zahlreiche Studierende, Wegbegleiter und Kolleg*innen gekommen sind, blickt er zurück. Turbulent hat alles angefangen. „Der Studiengang Architektur stand auf Messers Schneide“, erzählt Bielenski. Eine Expertenkommission des Bayerischen Wissenschaftsministerium war zu dem Schluss gekommen, dass die Studienbereiche Architektur und Bauingenieurwesen geschlossen werden sollten. Um das abzuwenden, einigt sich die Hochschule mit dem Ministerium auf eine deutliche Reduzierung des Lehrpersonals. „In dieser Zeit haben Sie die Lehre aufrechterhalten, um den jungen Leuten trotzdem eine gute Ausbildung zu ermöglichen“, bedankt sich Kanzlerin Maria Knott-Lutze rückblickend bei Bielenski.

Platzen aus allen Nähten

Heute bietet sich zum Glück ein anderes Bild. Die Fakultät Design – zu der mittlerweile die Studiengänge Architektur, Bauingenieurwesen, Innenarchitektur, Integriertes Produktdesign, Master Design, Digitale Denkmaltechnologien, Denkmalpflege und Ressourceneffizientes Planen und Bauen gehören – zählt 950 Studierende. Am Campus Design rund um das ehemalige Hofbauhaus haben sie ein gemeinsames Zuhause gefunden. „Wir platzen aus allen Nähten“, freut sich Bielenski.

Zwei Umzüge musste der Studiengang Architektur dafür bewältigen. Beide hat er miterlebt. Einmal übergangsweise vom Campus Friedrich Streib an den Schillerplatz, ein zweites Mal in den Neubau am Hofbrauhaus. Seit 2012 lernen Architekten, Bauingenieure, Produktdesigner und Innenarchitekten gemeinsam dort.

40 gemeinsame Exkursionen

Besonders gerne denkt Bielenski an die Studiengangs-Exkursionen zurück. Istanbul, Rom, Venedig, Südtirol – 40 mal fährt er mit Studierenden in die weite Welt. Als Nächstes steht Brasilien auf dem Plan. Überall lässt Bielenski die Studierenden Zeichnen. Bei Wind und Wetter. Zeichnen ist seine Leidenschaft. Die will er weitergeben. „Ich wollte nicht Architektur studieren, ich wollte einfach nur Zeichnen“, erzählt er. Weil es mit dem Studium an der Kunsthochschule aber nicht geklappt hat, musste er sich doch für Architektur bewerben. Nach dem Studium hangelt er sich von Wettbewerb zu Wettbewerb, macht Karriere als Architekt. Aber mit der Freiberuflichkeit kommen auch Einschränkungen im Privatleben und die permanente Ungewissheit, wie es weiter geht. Also sucht Bielenski einen sicheren Job und findet ihn an der Hochschule Coburg. Dort trifft er Hans-Peter Hebensperger-Hüther wieder – einen ehemaligen Studienfreund aus München. Gemeinsam unterrichten sie 19 Jahre in Coburg. Seine zahlreichen Kolleg*innen würdigt Bielenski zum Abschied mit dem entsprechenden Augenzwinkern. Karikaturen und Fotomontagen, mit denen er Charaktere und Eigenheiten aufs Korn nimmt. Übel nimmt’s ihm keiner. Und wenn sie in Zukunft auf dem Weg ins Büro oder den Hörsaal an der „Wall of Faces“ vorbeigehen, werden sie Helmut Bielenski so schnell auch nicht vergessen.

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