Mit Freude wissenschaftlich Arbeiten

Donnerstag. 28. November 2019 (Franziska Koch)
Eine Gruppe diskutiert vor einem Poster zum wissenschaftlichen Arbeiten
Eine Posterausstellung ergänzte das Symposium: Conrad Dreyer von der TH Ostwestfalen-Lippe mit Teilnehmenden (Bild: Mario Pfeuffer)
Sebastian Gebauer und Nicole Hermannsdörfer
Sebastian Gebauer von der Hochschule Landshut und Nicole Hermannsdörfer diskutierten neue Ansätze im Bereich Wissenschaftliches Arbeiten

Wissenschaftliches Arbeiten gehört zu jedem Studium. Vor dem Hintergrund aktueller Plagiatsaffären und Fake News ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit wissenschaftlichen Praktiken unverzichtbar. Ein Symposium an der Hochschule Coburg widmete sich dem Thema nun mit dem Ziel, aus didaktischer Perspektive Erfahrungen auszutauschen.

„Wissenschaftliches Arbeiten lernen und lehren“, lautete der Titel des Symposiums, für das rund 40 Teilnehmende aus Deutschland und Österreich an die Hochschule Coburg kamen, um das Fach aus Sicht der Lehrenden zu beleuchten. In Vorträgen, Posterpräsentationen und Workshops wurden Ansätze für gelungene Lehr-/Lernformen dargestellt und Anregungen zum sinnstiftenden Wissenschaftlichen Arbeiten gegeben. Prof. Dr. Tobina Brinker von der FH Bielefeld betonte als Keynote-Speaker die Rolle des Wissenschaftlichen Arbeitens als wichtige Schlüsselkompetenz.

Mit der Frage „Wissenschaftstheorie – das unnötigste Fach überhaupt?“ beschäftigten sich Dr. Kathrin Gärtner und Julia Stranzl von der Fachhochschule Wiener Neustadt in ihrem Vortrag. Sie hoben hervor, wie wichtig es sei, Studierenden den Nutzen wissenschaftlicher Arbeitstechniken fürs Studium nahezubringen. Lerninhalte müssten möglichst adäquat an den Unterrichtsplan angepasst und den Studierenden die Relevanz für die spätere berufliche Praxis aufgezeigt werden.

Ähnlich sieht das Dr. Andrea Klein. Die Autorin und freiberufliche Dozentin beschäftigt sich mit den Herausforderungen in der Lehre von Wissenschaftlichem Arbeiten - aber auch in der Betreuung studentischer Arbeiten. Andrea Klein stellte ihre Lösungsansätze vor, die auf aktuellen didaktischen Ansätzen und Positiver Psychologie aufbauen. Sie rät, den Studierenden noch mehr Feedback zu geben und ihnen die Sinnhaftigkeit wissenschaftlicher Techniken zu vermitteln.

Lernziele immer klar kommunizieren

„Man muss selbst Fehler machen und anschließend Feedback bekommen, um sich verbessern zu können“, findet Sebastian Gebauer. Er ist Leiter des Instituts für Weiterbildung an der Hochschule Landshut und führt ein Modul zum Thema Wissenschaftliches Arbeiten im berufsbegleitenden Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen durch. Gestartet ist es als reiner Online-Kurs. Mittlerweile ist daraus ein Blended-Learning-Modul entstanden, das Online- und Präsenzkurse mit Webinaren verbindet. Skripte und Erklärvideos vertiefen die gelehrten Inhalte. In den Präsenzveranstaltungen und moderierten Moodle-Foren können Studierende ihre Fragen stellen. „Wichtig ist, dass man die Lernziele immer klar kommuniziert“, sagt Sebastian Gebauer. Das erhöhe bei den Studierenden die Relevanz für dieses Fach.

Timo Guter präsentierte mit „Bridge the Gap“ ein vom Stifterverband gefördertes Blended-Learning-Konzept für das Fach Wissenschaftliches Arbeiten, das mit Erfolg an der Hochschule Neu-Ulm läuft. Mit Hilfe von Moodle werden Selbstlernmodule bereitgestellt, die gemeinsam mit Tutoraten angeboten werden. Ein fachübergreifendes Hochschulteam stellt so sicher, dass die Studierenden in ihrem eigenen Tempo lernen können aber trotzdem persönlich betreut werden.

Weiteres Netzwerktreffen bereits geplant

Zwei weitere Schwerpunkte des Symposiums lagen auf alternativen Lehrformaten sowie der Vermittlung wissenschaftlicher Techniken angepasst an fachliche Besonderheiten. Für Erstgenanntes präsentierte Jens Renner von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt zehn Ansätze für gelungene Lehr-/Lernformen.

Welche fachlichen Besonderheiten das wissenschaftliche Arbeiten in der Praktischen Informatik beeinflussen, zeigte Prof. Dr Dominikus Herzberg von der TH Mittelhessen anhand einer empirischen Studie zum Wissenschaftsverständnis dieses Faches auf. Dr. Kathrin Gärtner und Julia Stranzl gingen in einem zweiten Vortrag der Frage nach, wer denn jetzt eigentlich die Mechatroniker unterrichtet. Ist es möglich, dass Dozierende, die selbst aus den Geistes- und Sozialwissenschaften kommen, MINT-Studierenden erfolgreich wissenschaftliches Arbeiten beibringen?

Nicole Hermannsdörfer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Didaktik & Evaluation an der Hochschule Coburg, beschäftigte sich mit der Frage, in wie weit eine fachübergreifende Zusammensetzung der Studierenden in Kursen zum Wissenschaftlichen Arbeiten interdisziplinäres Denken grundlegen kann.

Einigkeit herrschte bei allen Teilnehmenden darin, dass die Vertrautheit mit wissenschaftlichen Arbeitsweisen eine zentrale Kernkompetenz für jedes Studium darstellt, die es zu fördern gilt. Das Symposium mit seinem breiten Themenspektrum war eine geeignete Plattform, um sich über die brennenden Fragen des Fachgebiets auszutauschen und untereinander zu vernetzen. Für nächstes Jahr ist deshalb ein Netzwerktreffen zum gleichen Thema bereits fest geplant. Organisiert wurde das Symposium an der Hochschule Coburg von Nicole Hermannsdörfer und Prof. Dr. Julia Prieß-Buchheit.

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