Professorin Troi berichtet aus Bozen

Donnerstag. 12. März 2020 (Pia Dahlem)
Portrait Alexandra Troi
Prof. Dr. Alexandra Troi hält sich derzeit in ihrer Heimatstadt Bozen auf

Geisterspiele im Stadion, Absagen von Veranstaltungen, geschlossene Schulen und eingestellter Theaterbetrieb. Deutschland reagiert auf die Corona-Krise und muss sich umorganisieren. So wie in den letzten Tagen in Italien immer drastischere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus getroffen wurden, überschlagen sich auch hier die Ereignisse und Entscheidungen. Was das für die nächsten Tage und Wochen genau bedeutet, ist noch nicht absehbar.

Einen Eindruck, wie es sich mit den Einschränkungen leben lässt, gibt die Professorin Dr. Alexandra Troi. Sie ist Dozentin an der Fakultät Design der Hochschule Coburg im Bereich Digitale Denkmaltechnologie und beschäftigt sich vor allem mit der energetischen Sanierung historischer Gebäude. Außerdem arbeitet sie in ihrer Heimatstadt Bozen am privaten Forschungszentrum EURAC. Zurzeit befindet sie sich bei ihrer Familie in Bozen. Wir haben mit ihr telefoniert und einen Einblick in ihren neu strukturierten Tagesablauf erhalten.

Frau Professor Troi, wie geht es Ihnen?

Meine Familie und ich sind gesund, allerdings kann man nicht mehr wirklich von „normalem Alltag“ sprechen.

Wie funktioniert die Arbeit für Sie am EURAC Forschungszentrum?

Ein erstaunlich großer Anteil des Tages war zu Beginn Umorganisieren, Meetings verschieben. Es hat langsam begonnen und ist immer zentraler geworden. Wir haben bei der EURAC gleich die Möglichkeit bekommen von zuhause aus zu arbeiten. Als dann die Schulen geschlossen haben, konnte man sich zeitlich einteilen wann man arbeitet.

Wie funktioniert die Arbeit jetzt vor Ort?

Wir arbeiten ohnehin ganz viel online, das ist ein Vorteil. An der EURAC geht die Arbeit im Labor vor Ort weiter. Alle anderen, inklusive dem Sekretariat, arbeiten von zu Hause. Und zwar schon seit zwei Wochen teilweise und freiwillig, seit vergangenem Montag verpflichtend. Italien macht gerade einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung.

Wie organisieren Sie das Leben jetzt?

In den nächsten Tagen wird sich wohl ein neuer Rhythmus einpendeln: Wie organisieren wir unseren Tag, wenn alle zu Hause sind, ohne dass wir uns auf die Nerven gehen? Es geht ja nicht um ein paar Tage, sondern um einen Monat oder länger. Die Kinder sind seit letztem Donnerstag zu Hause und gewöhnen sich gerade daran, dass das nicht heißt “schulfrei”, sondern “wir arbeiten von zu Hause”. Sie bekommen ihre Hausaufgaben digital oder per Mail. Der Vormittag läuft relativ strukturiert und die Kinder haben verstanden, dass das in den nächsten Wochen die Art zu lernen sein wird.

Wie nehmen Sie die allgemeine Stimmung in ihrem Umfeld wahr?

Die Stimmung insgesamt ist den Umständen entsprechend nicht schlecht: im Allgemeinen ist es ein "wir machen das jetzt, um die zu schützen, die gefährdet sind". In meinem Umfeld habe ich weder Hamsterkäufe noch klare Verweigerung wahrgenommen. Nicht in allen Läden sind die Regale leer gekauft.

Wie schätzen Sie selbst diese Maßnahmen ein?

Ich persönlich glaube, dass es die Maßnahmen braucht, um das möglichst klein zu halten. Darum sollten sich jetzt alle so verhalten, dass die ganzen Einschränkungen nicht umsonst waren.