Rettung für männliche Küken

Montag. 03. Februar 2020 (Madelaine Ruska)
Küken und Henne
Eine neue Methode soll Küken vor dem Schredder retten.

Jedes Jahr sterben rund 45 Millionen männliche Küken in Deutschland, weil sie weder Eier legen können, noch genug Fleisch ansetzen. Wissenschaftler der Hochschule Coburg und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe haben eine neue Methode entwickelt, um das Geschlecht der Küken vor dem Schlüpfen zu bestimmen.

Männliche Küken legen keine Eier und setzen weniger Fleisch an. Deshalb sind sie für die Geflügelwirtschaft unbrauchbar und landen im Schredder. Um das Töten der geschlüpften Küken zu verhindern, muss das Geschlecht schon im Ei bestimmt werden. Mögliche Verfahren gibt es schon, sie sind aber erst in einem fortgeschrittenen Stadium des Embryos möglich. Jens Staufenbiel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Coburg und Prof. Dr. Helene Dörksen von der TH OWL haben nun eine Methode entwickelt, die schon bei drei bis sechs Tage alten Hühnereiern anzeigt, ob Hahn oder Henne im Ei ist. Möglich macht es ein Gerät, das eigentlich zur Untersuchung von Kraftstoffen entwickelt wurde und das Jens Staufenbiel im Rahmen seiner Promotion weiterentwickelt hat. „Wir haben einfach ausprobiert, wofür sich die Methode noch eignet“, erklärt Staufenbiel.

Mithilfe des Verfahrens lassen sich im Ei männliche und weibliche Hormone identifizieren. Mit einem Laser leuchten die Forscher Flüssigkeit und Embryo im Ei an. Das Licht, das zurückgeworfen wird, lässt Rückschlüsse auf das Geschlecht zu. Prof. Dr. Helene Dörksen hat aus den Messwerten ein System abgeleitet, das zwischen männlichen und weiblichen Küken unterscheidet. Der Vorteil gegenüber bereits bekannten Methoden: Sie funktioniert selbst durch die Eihaut. „Bei anderen Verfahren muss das Ei komplett geöffnet werden, für unser Verfahren brauchen wir lediglich ein ca. 2mm großes Loch in der Kalkschale“, erklärt Jens Staufenbiel. Ein weiterer Vorteil sei, dass der Embryo im Ei zu diesem frühen Zeitpunkt noch kein Schmerzempfinden habe. Staufenbiel und Dörksen haben die Methode als Patent angemeldet.

Von der Kraftstoffforschung zur Kükenrettung

Penicillin, Teflon, Post-its – immer wieder entstehen Erfindungen und Produkte durch Zufall oder weil sie anders eingesetzt werden als gedacht. Eigentlich forscht Jens Staufenbiel auch nicht an einer Methode zur Geschlechtsbestimmung von Küken, sondern er ist Teil der Arbeitsgruppe Kraftstoffforschung des Technologietransferzentrum Automotive der Hochschule Coburg (TAC). Sein Ziel ist es, einen Sensor zu entwickeln, der eine zerstörungsfreie Analyse von Kraftstoffen ermöglicht. Grundlage ist unter anderem die sogenannte Fluoreszenzspektroskopie. Mit einem Laser wird der Kraftstoff beleuchtet. Die Flüssigkeit wirft daraufhin Licht zurück. Anhand der Muster können die Forscher*innen Rückschlüsse auf Qualität oder Alterungsgrad des Kraftstoffes ziehen.

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