23. Oktober '26
Wie kann eine Suchmaschine erkennen, dass São Paulo zu Brasilien gehört, auch wenn beide Begriffe nicht gemeinsam in einem Text vorkommen? An dieser Frage arbeitet ein Forschungsprojekt der Hochschule Coburg und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Jena. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben mit knapp 400.000 Euro.
Geografisches Wissen aus Texten erschließen
Prof. Dr. Jochen Leidner vom Center for Responsible Artificial Intelligence (CRAI) und der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Coburg entwickelt das Projekt gemeinsam mit Dr. Xuke Hu vom DLR. Ziel ist es, Methoden zu erforschen, mit denen KI-Systeme geografische Informationen aus Texten erkennen und räumliche Zusammenhänge ableiten können.
Dafür entsteht ein mehrsprachiger Datensatz, der geografische Informationen aus Texten mit den zugehörigen räumlichen Daten verknüpft. Dazu gehören beispielsweise die geografischen Umrisse von Städten und Ländern. Bestehende Datensätze werden dafür überprüft, korrigiert und erweitert. Die Daten werden von Menschen annotiert, um die geografischen Angaben möglichst präzise zu erfassen.
Wenn Suchmaschinen räumliche Zusammenhänge erkennen
Die Forschung könnte langfristig dazu beitragen, Suchmaschinen und andere KI-Anwendungen zu verbessern. Sucht jemand beispielsweise nach „Menschenrechtsverletzungen Brasilien“, könnten künftig auch relevante Texte gefunden werden, die São Paulo erwähnen, ohne Brasilien ausdrücklich zu nennen. Voraussetzung dafür ist, dass das System erkennt, dass die Stadt in Brasilien liegt.
Auch bei der Suche nach lokalen Angeboten kann geografisches Wissen helfen: “Wir haben die Hoffnung”, erklärt Leidener augenzwinkernd, “dass bei Anfragen wie ,Pizza Coburg”‘ Verwechslungen zum Beispiel mit Coburg im australischen Bundesstaat Victoria reduziert werden können.
Grundlagenforschung mit langer Vorgeschichte
Das Projekt knüpft an die Forschung von Professor Leidner an, die er bereits während seiner Promotion an der Universität Edinburgh von 2003 bis 2007 begonnen und später an der Hochschule Coburg wieder aufgenommen hat. Die Arbeiten verbinden Geoinformationssysteme mit künstlicher Intelligenz und sind der Grundlagenforschung zuzuordnen.




