17. Februar '26
(Andreas T. Wolf)
Soziale Arbeit ist ein Forschungsbereich für und mit Menschen. Prof. Dr. Thorben Struck will die Studierenden näher an den Wirkungsort bringen und die Gesellschaft bereichern. Dafür arbeitet er nun an einem Dokumentar-Theaterprojekt mit besonderen Gästen: einem Seenotretter und einem Regisseur.
Vom Workshop auf die Bühne
Für Prof. Dr. Thorben Struck war es sehr beeindruckend gewesen, als er 2024 den Träger des Menschenrechtspreises von Amnesty International, Menschenrechtsaktivisten und Kapitän Dariush Beigui, sowie den Schauspieler und Regisseur Hajo Tuschy auf der Bühne diskutieren sah. Damals waren sie im Rahmen der Fête de la Démocratie erstmals gemeinsam für ein Gespräch auf der Bühne des Schauspielhauses Hannover. Die Dynamik und Emotionalität zwischen diesen beiden sehr unterschiedlichen Charakteren hatte Struck inspiriert und dazu veranlasst, diese Erfahrung nach Coburg zu holen.
In einem besonderen Projekt will der Professor von der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Coburg anhand mehrerer Workshops an den Themen Flucht, Rettung, Verantwortung und Migrationspolitik arbeiten. Studierende aus dem Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit“ und aus dem Masterstudiengang „Applied Theatre: Theater als Soziale Arbeit“, lernen zusammen mit Beigui und Tuschi aus erster Hand die Erfahrungen aus der Seenotrettung und dem Theater.
In offenen Workshops gestalten Sie, welche Themen Szenen und Perspektiven am Ende auf die Bühne kommen. Das freiwillige Angebot setzte auf das Engagement der jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Zusammen mit Strucks Kollegen Prof. Björn Bicker sollen gemeinsam Formen der Recherche, des Erzählens, Darstellens und der Reflexion erprobt werden. Ziel ist eine öffentliche Abschlussaufführung im Staatstheater Nürnberg.
Lehre muss begeistern
Die Professoren wollen ihren Studierenden die Leidenschaft für Soziale Arbeit vermitteln. Bestenfalls sollen diese so nah und praktisch wie möglich an ihren Themen arbeiten – für und mit den Menschen, Betroffenen, Expertinnen und Experten, sagt Struck: “Für mich stehen das Erleben der Studierenden, ihre fachliche und persönliche Reflexion sowie ihre kreative Umsetzung im Mittelpunkt. Hierzu bieten wir Ihnen zwei spannende Persönlichkeiten als lebendiges Werkzeug der Auseinandersetzung an. Die Zeit dafür ist begrenzt, bevor das Ganze auf die Bühne muss. Die Studierenden entscheiden, wie und was sie machen wollen, denn Lehre muss begeistern und zum Selbermachen motivieren”.
Das Projekt zielt dabei auf die gemeinsame Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Erfahrungen und Perspektiven. Doch das Gefühl und die Erkenntnisse sollen nicht nur die Studierenden voranbringen, sondern auch weiter in die Gesellschaft getragen werden. Das Theater ist dafür hervorragend geeignet, sagt Prof. Björn Bicker: „Es ist ein öffentlicher Erfahrungsraum, der berührt, ohne zu vereinfachen. Es ist ein Ort, an dem demokratische Verständigung als gemeinsamer Prozess erfahrbar wird, an dem die Gesellschaft ihr Selbstverständnis verhandelt – und somit ein Ort, an dem sich Kunst und Soziale Arbeit in ihrer gesellschaftlichen Verantwortung begegnen.“
„Mich treibt lebendige Demokratie um“
An der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg sollen wissenschaftliche Erkenntnisse sowohl in praktikable Problemlösungen fließen als auch die Gesellschaft informieren. Denn neben der Lehre ist der Transfer von Wissen in Wirtschaft und Gesellschaft Aufgabe der Professur, wie Struck weiß: „Ich versuche Transfer mit Leben zu füllen und will praktische Projekte umsetzen, von denen Studierende und Gesellschaft direkt profitieren.“
Denn soziale Themen betreffen alle, davon ist Struck überzeugt. Mit dem Projekt will er die Distanz zwischen Campus und Stadt überwinden. Transfer in der Sozialen Arbeit soll die soziale Teilhabe, gleichberechtigte Mitbestimmung und soziale Gerechtigkeit in einer pluralen, demokratischen Gesellschaft stärken, sagt Struck: „Mich treibt lebendige Demokratie um – also die Frage, was wir als Gesellschaft brauchen, um trotz aller Unterschiede gleichberechtigt und fair miteinander leben zu können. Mit diesem Projekt wollen wir Räume schaffen, in denen Menschlichkeit und gesellschaftliche Verantwortung konkret werden.“ Die Aufführung soll am 13. Mai 2026 im Staatstheater Nürnberg aufgeführt werden.







