Architecture und Energy
Bauen in Zeiten des Klimawandels

Vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt nach Coburg: Vom 22. Oktober bis zum 29. November 2026 ist die international besuchte Ausstellung „Architecture & Energy. Bauen in Zeiten des Klimawandels" in Coburg zu sehen.
- 22. Oktober bis 29. November 2026
- Öffnungszeiten: Do & Fr – 16-20 Uhr, Sa & So 12-17 Uhr
- Ehemaliger Kaufhof, Mohrenstraße 17-19 in Coburg
- Der Eintritt ist frei
- Anmeldung nicht erforderlich
Die Ausstellung wird von einer Reihe von Vorträgen, Themenabenden und Diskussionsformaten begleitet. Sie bringen Expertinnen und Experten sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger in einen offenen Dialog.
Die Veranstaltungen der Fakultät Design+Bauen im Rahmen der Ausstellung des DAMs:
- 27.10.2026 I 19 Uhr
Rewe Greenfarming, Wiesbaden – Dienstagsreihe mit den ACME Studios - 29.10.2026 I 18.30 Uhr
Klimaneutrale Hütten – Nachhaltigkeit in den Alpen - 5.11.2026 I 18.30 Uhr
Wärmstens empfohlen? Wärmepumpe & Co. – Welche Heizung passt zum Bestand? - 12.11.2026 I 18.30 Uhr
Kleine Häuser, großer Hebel - 19.11.2026 I 18.30 Uhr
Kleiner Wohnen@Land – Ressourcenschonend Bauen - 25.11.2026 I 18 Uhr
Chancen und Herausforderungen beim Bauerhalt - 26.11.2026 I 18.30 Uhr
Energie am Denkmal
Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Coburger Designforum Oberfranken e.V. und der Hochschule Coburg, Fakultät Design+Bauen. Dank der Unterstützung der Stadt Coburg können wir das Erdgeschoss des ehemaligen Kaufhofs für unser Vorhaben nutzen. Weitere Informationen und das vollständige Programm gibt es hier.
Neben der Hauptausstellung sind darüber hinaus folgende Projekte der Fakultät Design+Bauen ausgestellt:
Mehr als Wohnen – Wüstenahorn / Scheuerfelder Hang
Die Studierenden haben sehr unterschiedliche Entwürfe für eine Nachverdichtung und Sanierung der Wüstenahorner Siedlung entwickelt. Foto: Natalie Schalk / Hochschule Coburg
Ausgangssituation
In nahezu jeder Stadt Deutschlands finden sich typische Wohnsiedlungen, die in den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden sind. Diese Wohnbauten der Nachkriegszeit zeichnen sich durch eine kostengünstige und funktionale Bauweise aus, die es ermöglichte, innerhalb kurzer Zeit große Mengen an bezahlbarem Wohnraum zu schaffen. Charakteristisch für viele dieser Siedlungen sind längliche, meist zwei- bis dreigeschossige Zeilenbauten, zwischen denen großzügige, durchlässige und grüne Freiräume liegen, die heute häufig von wertvollem, gewachsenem Baumbestand geprägt sind.
Inzwischen stehen viele dieser Siedlungen vor erheblichen Herausforderungen: eine gealterte Bausubstanz, energetische Ineffizienz, unzeitgemäße Wohnungsgrundrisse, eine geringe bauliche Dichte, zunehmend überalterte Bewohnerschaft und zum Teil untergenutzte Wohnflächen. Nicht selten führen diese Faktoren dazu, dass ganze Siedlungen abgerissen werden. Damit geht aber nicht nur ein erheblicher Verlust grauer Energie und noch bezahlbaren Wohnraums einher, sondern auch das Zuhause vieler Menschen wird unwiederbringlich zerstört.
Ziel
Um die Klimaziele bis 2045 zu erreichen, ist eine Bauwende hin zu mehr Bauen im und mit dem Bestand notwendig. Dazu braucht es Strategien, wie bauliche Defizite des Bestandes behoben werden und vorhandene Potenziale gezielt gestärkt werden können. Ebenso wichtig ist die Stärkung des sozialen Gefüges in diesen Nachkriegssiedlungen – etwa durch die Ergänzung des Wohnungsangebots um inklusive und barrierefreie Wohnungen, generationenübergreifende Wohnformen, gemeinschaftlich genutzte Räume sowie die Aufwertung der Außenanlagen.
Am Beispiel der Wohnsiedlung Scheuerberger Hang im Stadtteil Wüstenahorn in Coburg setzten sich Architekturstudierende der Hochschule Coburg mit den Transformationspotenzialen typischer Zeilenbausiedlungen der Nachkriegszeit auseinander. Im Rahmen von Studienprojekten entwickelten sie vielfältige Strategien für den Um- und Weiterbau des baulichen Bestands, mit dem Ziel, zeitgemäße und lebendige Quartiere zu schaffen.
Phase Null
Die Transformation hin zu einem zukunftsfähigen, inklusiven und lebenswerten Wohnumfeld erfordert eine sorgfältige und behutsame Moderation. Die Angst vor Veränderung ist bei vielen Menschen ausgeprägt und führt nicht selten zu einer frühzeitigen Ablehnung.
Die ausgestellten Arbeiten verstehen sich in erster Linie als Beiträge zur übergeordneten Frage nach dem baulichen Umgang mit typischen Nachkriegssiedlungen der 1950er- und 1960er-Jahre. Es handelt sich ausdrücklich nicht um abschließende Lösungen, sondern um ein Spektrum unterschiedlicher Ansätze, die Denkräume öffnen und Diskussionen anregen sollen. Sie wollen dazu einladen, einen offenen Dialog über die Zukunft der Siedlung anzustoßen und Transformation als gemeinsamen Prozess zu begreifen, in den von Beginn an unterschiedliche Perspektiven einbezogen werden.
Betreuende Professorin: Prof. Anja Ohliger
Minimize It
Impressionen der Werkschau 2026 der Fakultät Design + Bauen der Hochschule Coburg. Foto: Cindy Dötschel-Langbein
Wieviel, oder vielmehr: Wie wenig braucht ein Mensch zum Wohnen?
Mit dieser Fragestellung haben sich 15 Gruppen, bestehend aus jeweils zwei Studierenden des 2. Semesters Architektur, im Rahmen dieses Projektes beschäftigt. Die Aufgabe bestand darin, auf dem zugänglichen Flachdach des existierenden Studierendenwohnheims am CampusDesign eine zusätzliche Wohneinheit für einen Studierenden zu errichten.
Dabei wurde auf eine ökologische Bauweise und maximale Energieautarkie im Gebäudebetrieb großen Wert gelegt. Ziel des Entwurfes sollte sein, ein schlüssiges architektonisches Konzept für die Wohneinheit zu entwickeln, die mit möglichst geringem Energieaufwand errichtet und auch betrieben werden kann.
Am Ende wurde unter anderem der Gesamtenergiebedarf des Gebäudes (Errichtung und Betrieb) für eine Nutzungsdauer von 20 Jahren berechnet und in Relation zur Stromproduktion über PV-Elemente im gleichen Zeitraum gesetzt.
Was man daraus lernen kann:
- Der Energiebedarf für die Errichtung eines Gebäudes ist neben der Größe, vor allem von den eingesetzten Baumaterialien abhängig.
- Die Größe der PV-Anlage entscheidet letztendlich über die Gesamteffizienz des Gebäudes. Am Ende „gewinnt“ nicht das kleinste Gebäude, sondern das Gebäude, das die größte PV-Fläche im Verhältnis zum beheizten Volumen besitzt.
Betreuender Professor: Prof. Friedemann Zeitler
Bauerhalt & Bauen im Bestand

InTraBau ist eine von 20 „Innovationscommunities“ aus dem DATIpilot Förderprogramm des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt BMFTR.
Das Projekt ist ein Gemeinschaftsprojekt des Kompetenzzentrums Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDwt) an der Uni Bamberg, der Hochschule Coburg und der Handwerkskammer für Oberfranken.
Warum ist das traditionelle Handwerk für die Wissenschaft von besonderem Interesse? Handwerkliches Wissen und Können wird über Generationen weitergegeben. Wissen, das auf bewährte Materialien, Techniken und Arbeitsweisen basiert. Es umfasst beispielsweise die Arbeiten von Zimmerern, Maurern, Steinmetzen, Stuckateuren, Lehmbauern, Maler- und Verputzern, Schreinern und Fensterbauern. Es beinhaltet das Erhalten, Reparieren und situationsbezogene Anwenden von Materialien und Techniken. Somit ist es ein wertvoller Erfahrungsschatz, der für den Erhalt von Bestandsgebäuden und das klimafreundliche Bauen eine wichtige Ressource darstellt.
Wir möchten die Erkenntnisse aus diesem Wissens- und Erfahrungsschatz nutzen, um Innovationen anzustoßen, die den Weg zu einer nachhaltigeren Bauweise ebnen. Die heutige Bauweise ist häufig wenig nachhaltig, da sie einen hohen Einsatz von Rohstoffen und Energie erfordert. Gerade bei Sanierungen werden bestehende Bauteile oft durch neue ersetzt, anstatt ihre weitere Nutzung zu prüfen. Gleichzeitig finden Kriterien wie Anpassungsfähigkeit, Reparierbarkeit, Demontierbarkeit und Kreislauffähigkeit in Planung und Ausführung noch zu wenig Beachtung. So gehen wertvolle Materialien und die darin gespeicherte graue Energie verloren. Dies trägt maßgeblich dazu bei, dass die Bauwirtschaft zu den ressourcenintensivsten Branchen zählt.
Hier setzt InTraBau an: Das Projekt bringt die Expertise aus traditionellem Handwerk, Denkmalpflege, Forschung und Planung zusammen, um nachhaltige Lösungen für das Bauen und Sanieren von denkmalgeschützten Gebäuden sowie von Bestandsbauten ab 1949 zu entwickeln.
FenRest ist ein InTraBau-Community-Projekt, das nachhaltige Lösungen für die energetische Sanierung und den Erhalt von Bestandsfenstern entwickelt. In der Ausstellung sehen Sie an vier Fenstern live verschieden Möglichkeiten: von der Ergänzung um ein Glas mit minimalisiertem Rahmen über den Einsatz von 3fach-Dünnglas bis zu Vakuumglas, mit Verbesserungen 30% bis 60% auf U-Werte die durchaus mit neuen Fenstern konkurrieren können.
Der Bachelorstudiengang „Bauerhalt und traditionelle Werktechniken“ ist ein von der Oberfrankenstiftung geförderter Studiengang an der Hochschule Coburg und greift zentrale Fragestellungen und Erkenntnisse aus dem Projekt InTraBau auf und überführt sie in die akademische Lehre. Der Studiengang verbindet handwerkliche Praxis mit wissenschaftlichen Methoden und wird in Kooperation mit der Universität Bamberg und der Handwerkskammer für Oberfranken angeboten. Er kann entweder als duales Studium parallel zu einer handwerklichen Ausbildung oder aufbauend auf eine bereits abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung absolviert werden.
Ziel ist es, zukünftige Fachkräfte für den nachhaltigen Umgang mit dem Gebäudebestand zu qualifizieren. Dabei werden Themen wie Anpassungsfähigkeit, Reparierbarkeit, Demontierbarkeit, Kreislauffähigkeit sowie gestalterische und baukulturelle Qualitäten in Planung und Ausführung verankert. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf der Sanierung und Weiterentwicklung von Bestandsgebäuden und denkmalgeschützter Bausubstanz.
Historic Building Energy Retrofit Atlas
Oft können wir uns gar nicht vorstellen, was aus dem heruntergekommenen Gebäude steckt. Zugig und kalt, abblätternde Farbe, voller Gerümpel – wäre Tabula Rasa da nicht besser? In den meisten Fällen: Mitnichten! Auch im historischen Gebäuden können Sie wunderschön, behaglich und leistbar leben, im Ortskern und in einer Atmosphäre/Genius Loci an die ein Neubau nicht leicht rankommt. Im HIBERATLAS sammeln wir inspirierende Beispiele, wie altem Gemäuer neues Leben eingehaucht wird, wie historische Gebäude „zukunftssicher“ gemacht werden.


