28. September '26
Ein neues Weiterbildungskonzept soll Fachkräfte für sozialtherapeutisches Handeln in der Klinischen Sozialen Arbeit qualifizieren. Prof. Dr. Christine Kröger von der Hochschule Coburg diskutierte das Konzept bei der 14. Internationalen Fachtagung Klinische Soziale Arbeit im schweizerischen Olten mit weiteren Fachleuten. Coburger Studierende nutzten die Tagung außerdem, um aktuelle Entwicklungen des Fachs kennenzulernen und sich international mit Praxis, Forschung und Lehre zu vernetzen.
Bei der 14. Internationalen Fachtagung Klinische Soziale Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten standen aktuelle Entwicklungen und Zukunftsfragen des Fachs im Mittelpunkt. Lehrende und Studierende des konsekutiven Masters Soziale Arbeit (Vertiefung Klinische Sozialarbeit) sowie des berufsbegleitenden Weiterbildungsmasters Klinische Sozialarbeit der Hochschule Coburg nahmen daran teil. In Keynotes, Workshops und Fachsessions ging es insbesondere um Chancen und Herausforderungen digitaler Entwicklungen sowie deren Bedeutung für professionelles sozialarbeiterisches Handeln.
Unter dem Titel „Begegnungen von analog bis digital“ wurde unter anderem diskutiert, wie digitale Beratung, KI-gestützte Anwendungen, digitale Selbsthilfeangebote und Diagnostik-Apps die Klinische Soziale Arbeit unterstützen können. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass digitale Instrumente die Soziale Arbeit sinnvoll ergänzen können, professionelle Beziehungen jedoch auch künftig ihr Fundament bleiben. Ebenso wurde die Bedeutung analoger Begegnungsräume hervorgehoben, etwa im Vortrag zum Living Museum, wo Gemeinschaft, Kreativität und zwischenmenschliche Beziehungen sowie analoge Begegnungen in den Mittelpunkt rückten. Dabei wurde spürbar, wie hilfreich, aber auch herausfordernd Kunst als Weg zur Recovery für Menschen mit psychischen Erkrankungen sein kann.
Neue Weiterbildung für Sozialtherapie
Ein eigener Schwerpunkt der Tagung lag auf der Sozialtherapie. Die Arbeitsgruppe Sozialtherapie der Sektion Klinische Sozialarbeit der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) stellte ein neu entwickeltes postgraduales Weiterbildungscurriculum vor. Es soll Fachkräfte für sozialtherapeutisches Handeln qualifizieren. Der erste Weiterbildungsjahrgang ist für September 2027 geplant.
Prof. Dr. Dieter Röh (HAW Hamburg) erläuterte zunächst die historische Entwicklung sozialtherapeutischen Denkens und Handelns. Im Panel wurde die zunehmende Professionalisierung der Sozialtherapie in den vergangenen 15 bis 20 Jahren beleuchtet.
Anschließend stellten Prof. Dr. Ute Antonia Lammel (KatHo Aachen), Dr. Dario Deloie (TH Köln) und Prof. Dr. Elke Gemeinhardt (HS Nordhausen) Inhalte, Ziele und Zulassungsvoraussetzungen der zweijährigen Weiterbildung vor. Prof. Dr. Christine Kröger von der Hochschule Coburg diskutierte gemeinsam mit Prof. Dr. Silke B. Gahleitner (Alice Salomon Hochschule Berlin) und Gülzade Düzgün-Suttner (Charité Berlin), ob die Weiterbildung ein zukunftsfähiger Qualifizierungsweg für die Klinische Soziale Arbeit sein kann. Es wurden unterschiedliche Perspektiven betrachtet: von Adressatinnen und Adressaten über Fachkräfte der Klinischen Sozialarbeit bis zur Profession der Sozialen Arbeit. Dabei ging es auch um eine grundlegende Frage für die weitere Entwicklung des Fachs: Wie kann Sozialtherapie langfristig neben medizinischen und psychotherapeutischen Perspektiven als eigenständiger Ansatz in der Gesundheitsversorgung verankert werden?
Input für Studierende
Studierende der Hochschule Coburg nutzten die Tagung, um aktuelle Entwicklungen kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. Marie Klein, Sozialarbeiterin und Studentin des berufsbegleitenden Weiterbildungsmasters Klinische Sozialarbeit, nahm unter anderem an einem Workshop zu digitalen Beratungssettings und Blended Counseling teil, eignete sich Wissen zu Diagnostik-Apps an und lernte neue Perspektiven auf Wirkmechanismen der Sozialen Arbeit kennen. Besonders beeindruckte sie der Beitrag zum „Living Museum“: „Die Möglichkeiten, die Kunst bietet, die analoge und digitale Welt als Ausdrucksformen zu nutzen, haben mich stark beeindruckt“, sagt sie.
Teil einer Gemeinschaft von Menschen mit ähnlichen Anliegen und Werten zu sein, hat mir neue Motivation und Bestätigung für meinen beruflichen Weg gegeben.
Andrea Kuchen, Sozialarbeiterin und Studentin des berufsbegleitenden Weiterbildungsmasters Klinische Sozialarbeit
Andrea Kuchen, ebenfalls Sozialarbeiterin und Studentin des berufsbegleitenden Weiterbildungsmasters Klinische Sozialarbeit, hebt den Austausch hervor: „Die Oltner Tagung hat mich fachlich und persönlich bereichert. Der direkte Austausch mit renommierten Autorinnen und Autoren und engagierten Fachpersonen sowie die Einblicke in aktuelle Diskurse, Erkenntnisse und Methoden waren inspirierend.“
Die Tagung machte zwei Entwicklungen sichtbar: Die Klinische Soziale Arbeit setzt sich intensiv mit den Möglichkeiten digitaler Technologien auseinander und arbeitet zugleich an der weiteren Professionalisierung sozialtherapeutischer Ansätze. Beides verbindet die Frage, wie professionelle Unterstützung für Menschen mit komplexen Belastungen künftig gestaltet werden kann.
Weiterbildung und Sammelband
Pünktlich zur Tagung erschien der von Dario Deloie und Ute Antonia Lammel herausgegebene Sammelband „Weiterbildung Sozialtherapie – Behandlungskompetenzen auf Grundlage Klinischer Sozialarbeit erwerben“. Mehr darüber gibt es hier.
Wer im Dialog mit Dario Deloie und Ute Antonia Lammel konkret erfahren will, wie sozialtherapeutische Kompetenzen im Rahmen der Weiterbildung praxisnah und prozessorientiert vermittelt werden, ist herzlich zu Online-Informationsveranstaltungen eingeladen. Termine und Anmeldung hier.








