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8. September '26

Vor 20 Jahren begann an der Hochschule Coburg eine Entwicklung, die heute weit über die Region hinausstrahlt. Aus einem Studienangebot entstand ein wachsendes Lehr- und Forschungsfeld, das Gesundheit ganzheitlich betrachtet. Prof. Dr. Niko Kohls von der Am 9. und 10. Oktober bringt zudem ein Besuch des ehemaligen WHO-Direktors Dr. Rüdiger Krech eine internationale Perspektive nach Coburg.

Von der Prävention zur Gesundheitskompetenz

Als der Studiengang Integrative Gesundheitsförderung 2006 an der Hochschule Coburg startete, verfolgte er einen visionären Ansatz. „Gesundheit sollte nicht erst dann zum Thema werden, wenn Menschen erkranken“, sagt Prof. Dr. Niko Kohls. Er ist habilitierter Medizinpsychologe und seit 2013 Professor für Gesundheitswissenschaften mit dem Schwerpunkt Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg.

Stattdessen stand die Frage im Mittelpunkt, wie Menschen gestärkt werden können, ihre Gesundheit aktiv zu erhalten und ihre Lebensbedingungen selbst mitzugestalten. Medizinische, psychologische, soziale und gesellschaftliche Perspektiven wurden in Coburg deshalb von Beginn an miteinander verbunden. Denn ob Menschen gesund leben können, hängt unter anderem auch von Arbeitsbedingungen, Bildungschancen, sozialem Ungleichheit und Umweltbedingungen ab.

In den vergangenen Jahren sind psychische Gesundheit, soziale Verbundenheit, Sinnhaftigkeit und der Umgang mit Stress stärker in den Vordergrund gerückt. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung, wie Menschen Gesundheitsinformationen suchen, Entscheidungen treffen und Unterstützung in Anspruch nehmen.

Gesundheitsförderung als Profilthema der Hochschule

Aus dem ersten Studienangebot ist in Coburg ein umfassendes Lehr- und Forschungsfeld entstanden. 2023 wurde der Hochschule Coburg für besonders forschungsstarke Bereiche mit dem Promotionszentrum Analytics4Health ein eigenständiges Promotionsrecht verliehen. Es verbindet Gesundheitswissenschaften, Bioanalytik und Datenwissenschaften und ist eines von zwei solcher Promotionszentren an bayerischen Hochschulstandorten. Seit 2024 wird der bisherige Forschungsschwerpunkt unter dem Profil One Health weiterentwickelt. Dabei werden die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen gemeinsam betrachtet.

Zum Wintersemester 2026/27 starten an der Hochschule Coburg der Bachelorstudiengang Gesundheitsförderung und Prävention (ehemals „Integrative Gesundheitsförderung“) sowie der Masterstudiengang Angewandte Gesundheitswissenschaften (ehemals „Gesundheitsförderung“). Damit verzahnt die Hochschule Lehre, Forschung, Promotion und Transfer noch enger. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können hier neue Themen aktiv mitentwickeln.

Die Ideen der Ottawa-Charta leben weiter

Grundlage vieler Entwicklungen in der Gesundheitsförderung ist bis heute die Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1986. Ihr zentraler Gedanke: Gesundheit entsteht nicht allein durch medizinische Versorgung, sondern durch gesundheitsförderliche Lebenswelten und die aktive Beteiligung der Menschen. „Dieser Ansatz prägt unsere Arbeit bis heute“, betont Kohls. Das gelte für Hochschulen ebenso wie für Kommunen, Betriebe oder digitale Lebenswelten.

Passend dazu feiert die Hochschule Coburg am Freitag, 9. Oktober, gleich zwei Jubiläen: 20 Jahre Gesundheitsförderung in Coburg und 40 Jahre Ottawa-Charta. Mit Dr. Rüdiger Krech, ehemaliger Direktor für Gesundheitsförderung bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wird ein hochrangiger Vertreter der WHO erwartet. Sein Besuch unterstreicht die überregionale und internationale Wahrnehmung der Coburger Entwicklungen auf diesem Gebiet.

Die Zukunft ist psychologisch und digital

Während Gesundheitsförderung lange vor allem Wissen vermittelte, rückt heute zunehmend die Frage in den Vordergrund, wie Menschen tatsächlich zu gesundem Handeln motiviert werden können. Gerade hier gewinnen psychologische Erkenntnisse und digitale Technologien an Bedeutung, denn Menschen suchen nicht nur vermehrt Informationen in digitalen Lebenswelten – sie suchen auch gezielt nach Mitteln, ihre Gesundheit zu verbessern.

Dieser Trend zeigt sich auch darin, dass Krankenkassen inzwischen digitale Gesundheitsanwendungen anbieten oder erstatten. Dazu gehören beispielsweise Apps zur Unterstützung bei psychischen Erkrankungen, die Wissen vermitteln, Übungen anleiten und therapeutische Prozesse begleiten können.

„Technik allein fördert noch keine Gesundheit. Ob Menschen ihr Verhalten verändern, hängt von Motivation, Emotionen, Gewohnheiten, Stress und ihrem sozialen Umfeld ab“, betont Kohls.  Digitale Angebote könnten Gesundheitsförderung individueller und alltagsnäher machen, müssten dafür aber psychologisch fundiert gestaltet werden.

Digitale Gesundheitsförderung ist deshalb mehr als die Entwicklung einer weiteren App. Sie untersucht, wie digitale Lebenswelten menschliches Erleben und Verhalten beeinflussen, wie Gesundheitsinformationen verständlich vermittelt werden können und wie psychologisch fundierte Interventionen gestaltet sein müssen, damit sie Menschen tatsächlich erreichen.

Neue Professur für Psychologie und digitale Gesundheitsförderung

An dieser Schnittstelle setzt die Hochschule Coburg an und schreibt aktuell eine Professur für Psychologie und digitale Gesundheitsförderung aus. Sie soll psychologische Grundlagen mit digitaler Prävention, Gesundheitskommunikation und der Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebenswelten verbinden. Die neue Professorin oder der neue Professor wird an der Ausgestaltung der gesundheitswissenschaftlichen Studiengänge mitwirken und erhält zugleich die Möglichkeit, eigene Forschungs- und Transferschwerpunkte aufzubauen. Anschlussmöglichkeiten bestehen unter anderem im Promotionszentrum Analytics4Health, im Forschungsprofil One Health sowie in der Zusammenarbeit mit Gesundheitswissenschaften, Bioanalytik, Datenwissenschaften und weiteren Disziplinen.

 

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