11. August '26
Unter der Leitung der Hochschule Coburg bringt die europaweite Forschungsinitiative BIOREFOREST Wissenschaft, forstwirtschaftliche Praxis und lokale Interessengruppen zusammen, um wissenschaftlich fundierte Lösungen für eine widerstandsfähigere und nachhaltigere Wiederaufforstung zu entwickeln.
„Der Ansatz ist ebenso einfach wie anspruchsvoll“, erklärt Prof. Dr. Matthias Noll vom Institut für Bioanalytik (IBICO) der Hochschule Coburg. „In diesem ambitionierten Projekt geht es darum, Hand in Hand mit denjenigen zu arbeiten, die ihren Wald am besten kennen. So können wir praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Lösungen für die Wiederaufforstungsstrategien unserer Wälder entwickeln.“ Denn aktuell stehen die Wälder in Europa vor beispiellosen Herausforderungen.
Lokale Akteure gestalten die Zukunft der Wälder in Europa mit
Klimawandel, Störereignisse, Artenrückgang und die Ausbreitung von Krankheitserregern setzen den Waldökosystemen zu – und damit auch den Menschen, die von ihnen leben. Gleichzeitig gewinnt die Wiederaufforstung als Antwort auf die Klimakrise politisch und wirtschaftlich an Gewicht. BIOREFOREST will sicherstellen, dass diese Bemühungen ökologisch sinnvoll sind, auf belastbaren Daten beruhen und auf die tatsächlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind: Waldbesitzende, Forstmanagerinnen, Forstmanager und lokale Akteure sind deshalb Teil des Projekts.
An mehr als 300 Standorten in Europa werden ökologische Feldforschung, hochauflösende Satellitendaten, Boden- und Biodiversitätsanalysen sowie der Erfahrungsschatz von Expertinnen und Epxerten aus der Praxis zusammengeführt. Ziel ist es, gemeinsam praktische Instrumente und wirtschaftlich tragfähige Strategien zu entwickeln, die im Alltag bestehen und gleichzeitig die biologische Vielfalt stärken, die Klimaresilienz verbessern und die langfristige Kohlenstoffspeicherung fördern. Darüber hinaus bietet das Projekt Schulungen, mehrsprachige Materialien und Vernetzungsmöglichkeiten, um Kompetenzen aufzubauen und Wissen europaweit auszutauschen.
„BIOREFOREST ist ein wichtiges internationales Projekt mit starker Praxisorientierung“, sagt Sebastian Petters, der im Mai 2026 nach mehrjähriger Forschungstätigkeit an der Arktischen Universität Tromsø in Norwegen ans IBICO kam. Er stammt ursprünglich aus der Region Coburg und freut sich nun darauf, gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Noll und Prof. Dr. Stefan Simm an innovativen Ansätzen für eine zukunftsorientierte Waldbewirtschaftung zu arbeiten. Simm, ebenfalls vom IBICO der Hochschule Coburg, wird ökologische, soziologische, metagenomische und wirtschaftliche Daten aus ganz Europa zusammenführen, um KI-gestützte Modelle für Aufforstungsstrategien zu entwickeln. Simm erklärt: „Bioreforest hat das Potenzial, neue Impulse für Wiederaufforstungsstrategien zu setzen und europäisches Wissen über Biodiversität in regionale Entscheidungsprozesse einzubringen.“
Um sicherzustellen, dass die Ergebnisse in zukünftige Waldstrategien einfließen, wird die Initiative eng mit politischen Entscheidungsträgern und forstnahen Organisationen in den jeweiligen Ländern der Teilnehmenden zusammenarbeiten. Bis 2029 soll ein europaweites Netzwerk entstehen, das praktische Werkzeuge, gemeinsames Wissen und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen bereitstellt. Die Vision: Wälder, die vielfältig und widerstandsfähig sind, ökologisch reich und wirtschaftlich tragfähig – und damit zukunftsfähig.
Hintergrund
BIOREFOREST ist eine paneuropäische Initiative, finanziert von Biodiversa+ und getragen von nationalen Fördermittelgebern. Unter der Leitung der Hochschule Coburg (Deutschland) im Bereich Naturwissenschaften vereint das Konsortium führende Institutionen: die Universität Bologna (Italien) in der Forstwirtschaft, die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in der Insektenkunde, die MITUNI-Universität (Schweden) in der Modellierung von Pesteregnissen in Wäldern, die BOKU-Universität (Österreich) in der Citizen Science Umsetzung von Boden- und Forstwissenschaften, ACTeon (Frankreich) für die Einbindung von Interessengruppen, die Universität Málaga (Spanien) in der satellitengestützen zeitaufgelösten Forstentwicklung sowie INRAE/LESSEM (Frankreich) in der Forstökonomie. Diese Bandbreite – von der Feldforschung über digitale Innovation bis zur Praxisbeteiligung – bildet die Grundlage für einen ganzheitlichen Ansatz in der Wiederaufforstung.

Weitere Informationen
https://www.biodiversa.eu/2026/04/03/bioreforest/






