28. Juli '26
Forschende der Hochschule Coburg und der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg untersuchen den Waldboden entlang der Mountainbike-Trails am Krappenberg bei Lichtenfels. Sie wollen herausfinden, ob sich dort Mikroplastik ansammelt und welche Folgen das für Böden und Waldökosysteme hat.
Gelangt Mikroplastik auch in den Waldboden – und welche Folgen hat das für Bodenorganismen und die Gesundheit des Waldes? Dieser Frage geht die Hochschule Coburg gemeinsam mit der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg im Forschungsprojekt „Forest Health & Plastics (Forest HP)“ nach. Während die Auswirkungen von Mikroplastik auf Meere und Flüsse inzwischen intensiv erforscht sind, gibt es über Kunststoffe in Waldböden bislang nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse. Besonders wenig ist darüber bekannt, wie sich Mikroplastik auf die mikrobiellen Lebensgemeinschaften im Boden auswirkt. Dabei erfüllen Waldböden wichtige Funktionen: Sie speichern Wasser, filtern Schadstoffe und bilden eine wesentliche Grundlage für die Grundwasserneubildung.
In den kommenden zwei Wochen entnimmt das Forschungsteam erstmals Bodenproben auf den Mountainbike-Trails am Krappenberg bei Lichtenfels. Ausgewählt wurde der Krappenberg, da die Trails seit ihrem Bau 2021 unter Mountainbikern überregional bekannt sind und der Ort ein repräsentativer Standort für stark besuchte Waldgebiete in Nordbayern ist.
Der Krappenberg gehört zu insgesamt 42 Untersuchungsflächen in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen. An jedem Standort werden zehn Bodenproben entnommen und anschließend im Labor analysiert. Ziel ist es, Art, Menge und Herkunft von Kunststoffen im Waldboden zu bestimmen und deren Auswirkungen auf Bodenstruktur, Mikroorganismen und die ökologische Funktion des Waldes zu untersuchen. Damit es nicht zu einer Kontamination der Proben kommt, wird bei der Entnahme der Proben komplett auf Kunststoff verzichtet. Das bedeutet, es sind Überzüge für die Schuhsohlen, kunststofffreies Werkzeug und ein Weidenkorb statt einer Plastikbox für den Transport der genommenen Proben im Einsatz.
„Wir machen es dem Waschbär nach und gehen dahin, wo der Müll liegt“, erklärt Prof. Dr. Matthias Noll von der Hochschule Coburg, Verbundleiter des Projekts. „Statt den gesamten Wald gleichmäßig zu beproben, konzentrieren wir uns auf sogenannte Hotspots, an denen mit einer erhöhten Kunststoffbelastung zu rechnen ist.“
Zu diesen Hotspots zählen unter anderem stark genutzte Erholungsflächen wie Mountainbike-Trails, aber auch Touristenattraktionen, forstliche Rückegassen sowie Straßenränder im Wald. Um die Ergebnisse einordnen zu können, untersucht das Forschungsteam zusätzlich wenig frequentierte Waldflächen als Vergleichsstandorte.
Neben der Menge und Art der Kunststoffe untersuchen die Forschenden deshalb auch bodenphysikalische und bodenchemische Eigenschaften, die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Boden sowie die Mikroorganismen auf Makroplastik. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Auswirkungen von Kunststoffeinträgen auf Waldökosysteme besser zu verstehen und Handlungsempfehlungen für Waldbesitzende, Behörden und die Forstpraxis zu entwickeln.
Das Verbundprojekt Forest Health & Plastics läuft seit Oktober 2025 und endet im September 2028. Es wird aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Förderprogramm „Nachhaltige Erneuerbare Ressourcen“ durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert. Projektträger ist die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).









