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10. Juli '26

Fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal und in der Westeifel zeigt das Projekt TransKat soziale Faktoren erfolgreicher Katastrophenvorsorge.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal und in der Westeifel im Juli 2021 zählt zu den schwersten klimabedingten Katastrophen der jüngeren deutschen Geschichte. Die Folgen der Flut reichen weit über die Schäden an der Infrastruktur hinaus: von der Flut beeinträchtigte soziale Strukturen, psychosoziale Belastungen und langfristige Auswirkungen auf die Lebenssituation vieler Betroffener wirken bis heute nach. Das Forschungsprojekt „Transformationswissen für die Katastrophenhilfe“ (TransKat) der Hochschule Coburg (HS Coburg) und der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) kommt zu dem Ergebnis, dass Katastrophenvorsorge künftig deutlich stärker sozial ausgerichtet werden muss. Insbesondere soziale Beziehungen, lokale Netzwerke und die Rolle der Sozialen Arbeit erweisen sich als zentrale Faktoren für Bewältigung und Resilienz. Das Projekt untersucht, wie diese Erkenntnisse systematisch in die Katastrophenvorsorge und -hilfe integriert werden können.

Anlässlich des fünften Jahrestags der Flutkatastrophe am 14. Juli sprechen die Projektleiterinnen Prof. Dr. Andrea Schmelz, Professorin für Internationale Soziale Arbeit und globale Entwicklung an der Fakultät Soziale Arbeit der HS Coburg, und Prof. Dr. Caroline Schmitt, Professorin für Ecosocial Work and Care an der Frankfurt UAS, im Interview über zentrale Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bedeutung sozialer Beziehungen in Katastrophensituationen sowie Konsequenzen für eine sozial ausgerichtete Katastrophenvorsorge.

Fünf Jahre nach der Flut – warum ist es wichtig, die Erfahrungen aus dem Ahrtal und der Westeifel gerade jetzt wissenschaftlich weiterzuentwickeln?
Andrea Schmelz: Katastrophen sind längst keine Ausnahme mehr. Extremwetterereignisse und andere Krisen werden künftig häufiger auftreten. Deshalb reicht es nicht aus, vergangene Ereignisse aufzuarbeiten. Wir möchten das Erfahrungswissen aus dem Ahrtal und der Westeifel nutzen, um Katastrophenvorsorge weiterzuentwickeln. Dabei interessiert uns besonders die bislang wenig erforschte Rolle der Sozialen Arbeit. Internationale Erfahrungen zeigen, dass sie eine wichtige Brückenfunktion zwischen Katastrophenschutz, Verwaltung, sozialen Diensten und Zivilgesellschaft übernimmt.

Was hat TransKat bisher darüber gezeigt, was Menschen nach einer Katastrophe wirklich brauchen?
Caroline Schmitt: Unsere Forschung zeigt, dass funktionierende soziale Beziehungen und lokale Netzwerke ebenso wichtig sind wie materielle Hilfe. Gemeinschaft, Solidarität und Begegnungsorte stärken die Bewältigungskompetenz von Menschen nachhaltig. Gleichzeitig wird deutlich, dass insbesondere Kinder und Jugendliche, ältere Menschen, armutsbetroffene Menschen oder Menschen mit Behinderungserfahrung langfristige psychosoziale Unterstützung benötigen.

Wie entsteht aus den Erfahrungen der Betroffenen wissenschaftlich nutzbares Wissen?
Andrea Schmelz: TransKat versteht Forschung als gemeinsamen Lernprozess. Gemeinsam mit Fachkräften, zivilgesellschaftlichen Initiativen, Kulturschaffenden und Betroffenen entwickeln wir in partizipativen Workshops Erkenntnisse für die Praxis weiter. Dabei spielen auch kunstbasierte Methoden eine wichtige Rolle. Sie eröffnen neue Zugänge, um Erfahrungen zu reflektieren, Selbstwirksamkeit zu stärken und gemeinschaftliche Bewältigungsstrategien sichtbar zu machen.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Katastrophenschutz der Zukunft?
Caroline Schmitt: Katastrophenschutz muss künftig sozialer gedacht werden. Neben technischen und organisatorischen Strukturen braucht es dauerhaft verankerte soziale und psychosoziale Unterstützungssysteme. Gleichzeitig möchten wir die Katastrophenhilfe stärker in Studium, Lehre und Weiterbildung der Sozialen Arbeit verankern. So können zukünftige Fachkräfte besser auf die Herausforderungen einer von Krisen geprägten Gesellschaft vorbereitet werden.

Über das Projekt TransKat
TransKat („Transformationswissen für die Katastrophenhilfe“) ist ein gemeinsames Forschungsprojekt der Hochschule Coburg und der Frankfurt University of Applied Sciences. Das Projekt untersucht, wie Erfahrungen aus der Flutkatastrophe 2021 genutzt werden können, um Katastrophenhilfe und Katastrophenvorsorge weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen die Rolle der Sozialen Arbeit, partizipative Forschungsansätze sowie die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft. Gefördert wird das Projekt von der VolkswagenStiftung.

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