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22. Juli '26

Autonomes Fahren entwickelt sich weltweit rasant. Während in den USA und China autonome Fahrzeuge bereits im Alltag unterwegs sind, startet die Technologie auch in Deutschland in eine neue Phase. Der Blick richtet sich dabei zunehmend auf den öffentlichen Nahverkehr und die Frage, wie autonome Mobilitätsangebote die Mobilität der Menschen verbessern können. Die Hochschule Coburg und die HUK-COBURG sind überzeugt: Damit die Technologie ihr Potenzial entfalten kann, braucht es Erfahrungen unter realen Bedingungen – auch im ländlichen Raum. Welche Chancen autonomes Fahren für die Mobilität außerhalb der Ballungsräume bietet, darüber diskutierten Prof. Dr. Stefan Gast, Präsident der Hochschule Coburg, und Dr. Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der HUK-COBURG, in einem gemeinsamen Mediengespräch.

Beide Akteure aus der Region Coburg sind bereits sehr aktiv in diesem Zukunftsfeld der Mobilität: Im Jahr 2021 hat die Hochschule Coburg den Masterstudiengang „Autonomous Driving“ am Lucas Cranach Campus in Kronach gegründet und außerdem die technologischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen autonomer Mobilität in mehreren Projekten erforscht. Die HUK-COBURG versichert die ersten autonom fahrenden Fahrzeuge in Deutschland bis Automatisierungslevel 4, die Personen innerhalb festgelegter Gebiete befördern – und ist damit Pionier im deutschen Versicherungsmarkt.

Dem Institut für Mobilität der Universität St.Gallen zufolge gilt 2026 als das Jahr der Expansion autonomer Mobilität: Weltweit soll sich die Zahl autonom auf Level 4 fahrenden Fahrzeuge verdoppeln. Auch in Deutschland starten weitere Modellversuche in verschiedenen Städten. Die Frage ist längst nicht mehr, ob autonomes Fahren kommt – sondern wo Deutschland die Erfahrungen sammelt, die für den breiten Einsatz notwendig sind.

„Oberfranken bietet mit seiner besonderen, dezentralen Struktur ideale Voraussetzungen, um zu erforschen, wie autonomes Fahren den ländlichen Raum besser erschließen kann“, sagt Hochschulpräsident Gast. „Wir haben hier industrielle Zentren ebenso wie viele kleinere Gemeinden. Diese polyzentrale Struktur stellt andere Anforderungen als eine Großstadt – und genau dafür brauchen wir passende Mobilitätslösungen. Durch die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen und Technologiepartnern können wir solche Lösungen gemeinsam entwickeln und erproben.“ Dabei betont er: „Als Hochschule denken wir nicht nur technologisch. Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt und fragen, welche Mobilitätslösungen den Bedürfnissen der Menschen im ländlichen Raum wirklich gerecht werden.“ Gerade im öffentlichen Nahverkehr sieht Gast große Chancen. Autonome Shuttle könnten dazu beitragen, kleinere Orte besser anzubinden, Angebote flexibler zu gestalten und den Folgen des demografischen Wandels sowie des zunehmenden Fahrermangels im ÖPNV zu begegnen.

Eine der zentralen Fragen für die Menschen ist die Sicherheit. Viele fragen sich, wie zuverlässig autonome Fahrzeuge im Straßenverkehr unterwegs sind und wer im Falle eines Unfalls haftet. Dr. Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der HUK-COBURG, erklärt: „Autonomes Fahren wird das Autofahren sicherer machen. Das zeigen Daten aus den USA.“ Dort verursachten autonome Fahrzeuge 80 Prozent weniger Unfälle als menschliche Fahrer. Gleichzeitig sei für Geschädigte eines Verkehrsunfalls die Haftungsfrage beim autonomen Fahren in Deutschland deutlich einfacher zu klären als in anderen Ländern: „Für Unfallopfer ist entscheidend, dass sie entschädigt werden. Die deutsche Kfz-Haftpflichtversicherung leistet genau das – unabhängig davon, ob die Verantwortung beim Fahrer, Hersteller oder System liegt.“

Nach Ansicht Rheinländers geht es nun darum, die Technologie im Alltag erlebbar zu machen: „Man muss autonomes Fahren im Alltag erleben. Erst dann merkt man, wie selbstverständlich sich diese Technologie anfühlen kann. Aber wir brauchen keine Einzelerfahrung mehr, wir brauchen die Erfahrungen ganzer Regionen, wo jeden Tag 80 oder 100 Fahrzeuge in den Straßenverkehr integriert sind.“

Gerade im ländlichen Raum können autonome Mobilitätsangebote einen echten Mehrwert schaffen, den öffentlichen Nahverkehr sinnvoll ergänzen, Orte besser miteinander verbinden und Menschen mobil halten. Weil Oberfranken die Herausforderungen des ländlichen Raums in besonderer Weise verbindet, sehen Hochschule Coburg und HUK-COBURG in der Region großes Potenzial für eine Modellregion, um wichtige Erfahrungen für die Mobilität der Zukunft zu sammeln. Wissenschaftliche Kompetenz, Erfahrungen aus Forschungsprojekten sowie die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Kommunen und weiteren Partnerinnen und Partnern bilden dafür aus Sicht der beiden Akteure eine starke Grundlage.

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