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17. Juni '26

(Andreas T. Wolf)

Im Jahr 1995 war vieles noch anders, selbst die Hochschule Coburg hieß damals noch „Fachhochschule“. Nun ist Prof. Dr. Michael Rossner in seinem 62. – und damit letzten Semester angelangt. Im September zieht sich der 66-jährige Professor für (unter anderem) Hochspannungstechnik in den Ruhestand zurück. Im Interview blickt er zurück auf seine Zeit an der Fakultät Elektrotechnik und Informatik

Was hat Sie vor 31 Jahren dazu bewegt, Professor zu werden und warum haben Sie sich für Coburg entschieden? 
Prof. Dr. Michael Rossner: Ich bin in Karlsruhe aufgewachsen, wo ich mal an einer Schnuppervorlesung an der FH Karlsruhe teilgenommen habe. Den Dozenten damals fand ich so toll, dass ich mir dachte: „Sowas will ich auch machen!“ Ich habe später in Hamburg promoviert und Coburg war damals eine der wenigen Möglichkeiten in der Hochspannungstechnik weiterzumachen.

Sie haben sich also bewusst für eine akademische Laufbahn entschieden, statt eine in der Industrie?
Ich brauche den Umgang mit Menschen, erkläre gern und finde es schön etwas weiterzugeben. Wenn man etwas Komplexes verstanden hat, muss man es auch möglichst simpel wiedergeben können, sonst hat man es am Ende doch nicht ganz verstanden.

In Ihrer Zeit an der Hochschule hat sich auch der Fachbereich gewandelt. Was hat Sie besonders beeindruckt oder verwundert?
Anfangs gab es den Studiengang Elektrotechnik, was 1995 auch der Name der Fakultät war. Dann kam die Informatik dazu und die Umstellung auf Bachelor und Master. Die Elektrotechnik wurde immer differenzierter mit den Studiengängen Automatisierungstechnik und Robotik, Energietechnik und Erneuerbare Energien. Inzwischen kann man bei uns sogar promovieren! Wir sind immer weitergewachsen und inzwischen gibt es allein an unserer Fakultät zehn, teilweise sogar englischsprachige, Studiengänge. Dabei hat die Bedeutung von angewandter Forschung an der gesamten Hochschule stark an Bedeutung gewonnen, wobei mich besonders gefreut hat an den Herausforderungen der Energiewende aktiv mitwirken zu können, das ist alles sehr beeindruckend gewesen. Aber auch die Aufgaben in Verwaltung und Management haben stark zugenommen.

Wie hat sich die Arbeit mit Studierenden für Sie verändert?
Früher war alles eher schulisch, also „Frontalunterricht“. Heutzutage gibt es viel mehr Interaktionen zwischen Lehrenden und Studierenden, mehr projektbezogene, konkrete Arbeiten und dann eben auch die Möglichkeit, lehrbegleitend zu forschen und später sogar zu promovieren.

Warum würden Sie anderen die Studiengänge der Hochschule Coburg empfehlen?
Ich finde unseren projektbezogenen Forschungsmaster „Elektrotechnik und Informationstechnik“ als Abrundung des Studiums, den wir in Kooperation mit den Technischen Hochschulen Aschaffenburg sowie Würzburg-Schweinfurt durchführen, einfach genial. Mit diesen Institutionen kooperieren wir in unserem gemeinsamen Promotionszentrum Nachhaltige und Intelligente Systeme (NISys), womit die Studierenden damit auch ihren Doktor bei uns machen können. Zudem können sie sich noch bis zum 4. Semester flexibel zwischen den drei elektrotechnischen Studiengängen umentscheiden. Der Campus liegt relativ zentral und unsere Praktika und die Raumsituation im Forschungsgebäude ZME mit den lichtdurchfluteten Räumen und der Nähe zu den Forschungsprojekten sind motivierende Faktoren.

Sie sind auch Leiter des Instituts für Hochspannungstechnik, Energiesystem- und Anlagendiagnose (IHEA). 
Das IHEA wurde gegründet, um eine Plattform für unsere Forschungsaktivitäten, unsere Doktoranden und unsere wissenschaftliche Arbeit zu generieren. Es dient auch als virtueller Treffpunkt, um Aktivitäten zu bündeln und um als Ansprechpartner für Wissenschaft und wissenschaftlichen Transfer in die Region zu fungieren, was besonders mittelständische Industrieunternehmen suchen. Wir präsentieren hier unser Wissen und unsere Forschungs- und Testmöglichkeiten.

Nun gehen Sie bald in den Ruhestand. Wie werden Sie Abschied nehmen und was wird Ihnen am meisten in Erinnerung bleiben? 
Natürlich habe ich vor, eine schöne Abschiedsvorlesung zu halten und ich hoffe auch noch mit Lehraufträgen und der Betreuung von Doktoranden weiter Kontakt mit „meiner“ Hochschule zu halten. Erinnern werde ich mich an eine unendlich reiche Zeit an schönen Erlebnissen mit den Studierenden, Mitarbeitern und Kollegen, mit Festen und Rock and Roll auf dem alten Parkplatz und mit einer aufwendigen Errichtung einer neuen Hochspannungshalle sowie an viele Nachtsitzungen, um Veränderungen und Reformen auf den Weg zu bringen.

Was würden Sie anderen, die an einer Professur interessiert sind, unbedingt mitgeben wollen?
Das Schöne an unserem Beruf sind die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten, die jeder entsprechend seinen Stärken nutzen sollte. Deswegen sollte das jede und jeder für sich selbst herausfinden. Die wichtige Klammer bleibt jedoch die Liebe und Verbundenheit zu unseren Studierenden und das Interesse, Neues in seinem Fachgebiet zu entdecken und zu gestalten.

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