Auseinandersetzung mit Geschlechter-Stereotypen

Freitag. 20. Dezember 2019 (Monika Schnabel)

Wie steht es um das Verhältnis von Frauen und Männern in der Sozialen Arbeit? Mit dieser Frage beschäftigten sich Ende November rund 250 Teilnehmende des Fachtags „Frauen und Männer in der Sozialen Arbeit“. Lehrende der Hochschule Coburg und Professor*innen anderer Hochschulen lieferten Input für spannende Diskussionen.

Zum inhaltlichen Einstieg in den Fachtag führten die Coburger Wissenschaftler*innen Prof. Dr. Claudia Lohrenscheit und Matthias Scheibe, M.A., einen kritischen Dialog zu den drei großen Themenlinien "Männlichkeit*(en)", "Weiblichkeit*(en)" und "Geschlechtergerechtigkeit". Damit zielten sie darauf ab, die eigenen wissenschaftlich-biographischen Verortungen in der Geschlechterforschung transparent zu machen sowie die nach wie vor herrschenden Geschlechterstereotypen zu verdeutlichen, die in der Sozialen Arbeit kontinuierlich hinterfragt werden müssen.

Anschließend referierte Prof. Dr. Böhnisch über „Männer und Männlichkeit in der Sozialen Arbeit“. Der emeritierte Professor für Sozialpädagogik und Sozialisation der Lebensalter an der Technischen Universität Dresden lehrt aktuell an der Freien Universität Bozen. Er prägte in den letzten Jahrzehnten vor allem den Theoriediskurs in der Sozialen Arbeit wesentlich mit. „Es war für die Studierenden ein ganz besonderes Erlebnis, einen so bedeutenden Sozialarbeitswissenschaftler live zu erleben, an dessen Texten auch in Coburg niemand vorbeikommt“, stellte der Coburger Professor Dr. Ralf Bohrhardt fest, der den Fachtag moderierte.

Der Vortrag von Prof. Dr. Lotte Rose, die an der Frankfurt University of Applied Sciences einen Lehrstuhl für Pädagogik der Kinder- und Jugendarbeit inne hat, führte die Auswirkungen von Geschlechterstereotypen in der pädagogischen Praxis vor Augen. Kathrin Linnig, Praxiskoordinatorin im Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit, resümierte: „Ich fand es überraschend und erschreckend, dass in Förderprogrammen die traditionellen Geschlechtszuschreibungen die pädagogisch-fachlichen Konzepte dominieren. Hinsichtlich der Veränderung der KiTa-Praxis gibt es noch viel zu tun!“

Im letzten Vortrag ging Prof. Dr. Constance Engelfried von der Hochschule München auf das Spannungsfeld zwischen der konsequenten Prävention sexualisierter Gewalt und dem Risiko eines Generalverdachts gegenüber männlichen Sozialarbeitern ein. Besonders intensiv wurde ihre These diskutiert, wonach jede Form sexueller Gewalt auch und vielleicht vor allem ein Ausdruck struktureller Gewalt sei und entsprechend adressiert werden kann.

Intensive Diskussionen

Der Fachtag stieß insbesondere bei den Studierenden auf ein sehr diskussionsfreudiges Interesse. Auch die externen Gäste konnten aus dem Fachtag für ihre berufliche Praxis schöpfen: "Es war ein interessanter Nachmittag, der das Thema von ganz unterschiedlichen Seiten betrachtet und so wieder neue Impulse für den Arbeitsalltag geschaffen hat“, fasste Judith Terhar von der Evangelischen Jugendbildungsstätte in Neukirchen ihre Eindrücke zusammen.

Der Fachtag wurde von der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit im Rahmen ihrer SoGesehen-Transferreihe veranstaltete. Neben Studierenden nahmen auch zahlreiche Vertreter*innen regionaler Einrichtungen der Sozialen Arbeit und Alumni der Hochschule teil. Die Veranstaltung wurde von der Hochschulfrauenbeauftragten, der Niederfüllbach Stiftung sowie der Kommunalen Jugendarbeit der Stadt Coburg finanziell gefördert.

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