Wie wirkt die regionale Wirtschaftsförderung in Thüringen?

Donnerstag. 03. Mai 2018 (Dr. Margareta Bögelein)
Die Studie umfasst mehr als 300 Seiten.

Wirtschaftlich schwächere Regionen in Ost- und Westdeutschland werden durch staatliche Investitionsförderungen unterstützt. Und zwar durch Fördermittel aus der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“. Der Volkswirt Lutz Schneider, Forschungsprofessor an der Hochschule Coburg, untersuchte gemeinsam mit Partnern, ob diese Förderung in Thüringen die gesetzten Ziele erreicht. Auftraggeber der Studie war das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft.

„Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland“, dieses Ziel ist im Grundgesetz verankert. Die Realität weicht davon vielfach ab, beispielsweise bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Regionen. Um dem entgegenzuwirken werden in wirtschaftlich schwächeren Regionen Investitionen privater Unternehmen und Infrastrukturmaßnahmen von Städten und Gemeinden mit dem Programm „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur GRW“ gefördert. Bundesweit wurden im Rahmen dieses Programms seit 1991 mehr als 70 Mrd. € an Fördermitteln bereitgestellt.

Prof. Dr. Lutz Schneider aus der Fakultät Wirtschaftswissenschaften evaluierte dieses Programm für Thüringen im Zeitraum 2011 bis 2016 gemeinsam mit Kolleg*innen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung Karlsruhe.

Sie kamen zu dem Schluss, dass das Programm ein sinnvolles Instrument der regionalen Wirtschaftsförderung ist. Die Forscher*innen verglichen dazu geförderte und nicht-geförderte Regionen. Sie stellen fest: „Das aufholende Wirtschaftswachstum in den geförderten Regionen steigt.“ Als Maßstab für diese Aussage zogen sie die Entwicklung der Produktivität, verstanden als Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigem, heran. Insgesamt lautet das Fazit der Studie: Die Thüringer Wirtschaft entwickelt sich im untersuchten Zeitraum sehr positiv. Deutlich wurde auch, dass nicht nur die Unternehmen, sondern auch ihre Mitarbeiter*innen von der Förderung profitieren. Denn Investitionen in neue Technik fordern in der Regel höher qualifizierte Beschäftigte und machen Weiterbildung erforderlich.

Hier zeigte sich jedoch auch, dass der Fachkräftemangel mittlerweile zum limitierenden Faktor wird. Die Unternehmen müssen ihre Prozesse umstellen, um den vorhandenen Standort mit weniger Personal aufrechterhalten zu können. Die Empfehlung der Forscher*innen an die Politik war daher, diese Entwicklung in der regionalen Wirtschaftsförderung zu berücksichtigen. Also produktivitätssteigernde Investitionen auch dann zu bezuschussen, wenn dadurch weniger Fachkräfte gebraucht werden. Diese Handlungsempfehlung ist mittlerweile in die neue GRW-Richtlinie für Thüringen eingeflossen.

Die Evaluierungsstudie steht auf der Website des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft zum Download zur Verfügung.

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